AMB 2014: Robuste Entwicklung der Werkzeugmaschinenindustrie

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Von: VDW Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken

AMB: Vom 16. - 21. September 2014 in Stuttgart "Im ersten Halbjahr 2014 hat sich die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie wacker geschlagen. Zugpferd für die Entwicklung war die Inlandsnachfrage, auch ein wichtiges Segment für die AMB. Der deutsche Werkzeugmaschinenverbrauch ist in den ersten sechs Monaten des Jahres um 14 Prozent gestiegen. Davon hat auch der Import profitiert, der um 3 Prozent zulegte. Auffällig, dass die Asiaten, allen voran Südkorea, Japan, Taiwan und China dem europäischen Wettbewerb davon eilten. Die Produktion der deutschen Hersteller hat sich im ersten Halbjahr stabil auf dem hohen Vorjahresniveau von rd. 6,5 Mrd. Euro gehalten. Achillesferse waren die Ausfuhren. Sie legten mit 8 Prozent Minus den Rückwärtsgang ein. Betroffen waren alle Weltregionen. Die Exporte nach Asien und Amerika verloren mit 10 und 15 Prozent Minus zweistellig. Mit einem vergleichsweise leichten Rückgang von „nur“ 4 Prozent kamen überraschenderweise die Ausfuhren nach Europa aus. Zugpferde mit zweistelligen Zuwachsraten waren u.a. die Niederlande, Großbritannien, Dänemark und Belgien sowie die osteuropäischen Automobilstandorte Tschechien und Slowenien. Basierend auf hohen Bestellungen im Vorjahr sind die Exporte nach Russland in den ersten sechs Monaten noch um 14 Prozent gestiegen. Die Lieferungen nach Spanien, dem einstigen Sorgenkind in Südeuropa, wuchsen wieder. Frankreich und Italien hingegen, deren Wirtschaft im Reformstau steckt, verharren weiterhin im Minus. Der Auftragsbestand betrug im Juni dieses Jahres 7,3 Monate. Die Firmen sind demnach noch bis ins erste Quartal des kommenden Jahres gut beschäftigt. Und das mit einer Kapazitätsauslastung, die im Juli bei knapp 90 Prozent lag. Trotz eines Rückgangs im Vergleich zu 2013 rangiert dieser Wert immer noch über dem langjährigen Durchschnitt von 87 Prozent. Die Beschäftigung hält sich weitgehend stabil bei rd. 71 000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Rollentausch zwischen Inlands- und Auslandnachfrage 
Wir haben bereits bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen darauf hingewiesen, dass unsere Produktionsprognose von 3 Prozent Plus für 2014 ehrgeizig ist. Impulse müssen vom Ausland kommen. Anhaltspunkte bei den Auslandsaufträgen gibt es bereits. Tatsächlich erwarten wir für das zweite Halbjahr einen Rollentausch zwischen In- und Ausland. Bis Juli dieses Jahres stiegen die Bestellungen deutscher Werkzeugmaschinen insgesamt um 7 Prozent. Die Inlandsaufträge wuchsen um ein Zehntel, die Auslandsbestellungen um 5 Prozent. Das sieht soweit gut aus und liegt deutlich über dem allgemeinen Maschinenbau. Gleichwohl dürfen wir nicht verkennen, dass der inländische Auftragszuwachs im ersten Halbjahr noch bei 18 Prozent Plus lag, im gleitenden Drei-Monatsdurchschnitt Mai bis Juli bereits bei 5 Prozent Minus, und am aktuellen Rand, im Juli dieses Jahres, rutschten die Inlandsaufträge erstmals seit acht Monaten ins Minus. Dieser Trend ist ein Indiz für das Abkühlen der Inlandskonjunktur und Indikator für die weitere Marschrichtung. Die Verunsicherung durch die Krisenherde in der Welt macht sich nunmehr auch hierzulande bemerkbar und drückt auf die Investitionsbereitschaft. Dies hat sich ja bereits im viel diskutierten Rückgang des ifo-Geschäftsklimas für das deutsche Verarbeitende Gewerbe gezeigt. Die Werkzeugmaschinenindustrie selbst beurteilte ihre Lage im August nach wie vor mit gut. Einmal mehr wird deutlich, dass sie mit einer Exportquote von 70 Prozent vom internationalen Geschehen beeinflusst wird und im Konjunkturzyklus im Gegensatz zu den Abnehmerindustrien ein Nachläufer ist. Global hat das Stimmungstief nicht alle Märkte gleichermaßen erfasst. Vielmehr hat das Ausland offensichtlich den Turnaround vollzogen. Seit Mai dieses Jahres haben die Orders ins Plus gedreht und sind am aktuellen Rand im Juli um satte 42 Prozent gestiegen. Dabei spielen auch Großaufträge in der Umformtechnik eine Rolle, aber nicht nur. Die Zerspanung wuchs in den vergangenen drei Monaten ebenfalls zweistellig. Amerika und Osteuropa Zugpferde für die Auslandsnachfrage
Einen Lichtblick vermittelte im ersten Halbjahr Amerika, einen kleinen Silberstreif tatsächlich auch Europa. Nach einer VDW-Erhebung bestellten insbesondere die NAFTA-Länder und Osteuropa rege deutsche Werkzeugmaschinen. Alle genannten Märkte erhalten Auftrieb durch Investitionen der Automobilindustrie. In den USA schlagen sich die intensiven Re-Industrialisierungsanstrengungen ebenfalls in der Nachfrage nach hochwertiger Produktionstechnologie nieder. 35 Prozent Plus sprechen nach dem Exportrückgang im ersten Halbjahr eine deutliche Sprache. Die europäische Nachfrage hingegen wächst nur leicht. Pferdefuß ist erwartungsgemäß Russland, dessen Bestellungen mit 40 Prozent Minus tief im roten Bereich liegen. Ursachen sind vor allem die Rubelabwertung, die Importe stark verteuert hat, die immer schwierigere Finanzierungslage und natürlich die Liefereinschränkungen aufgrund der Exportkontrollverschärfungen. Im Euroraum blieben Italien und Frankreich verhalten, Spanien und Österreich hingegen legten zu. Schwach laufen die Geschäfte mit Asien. Der Rückgang im Auftragseingang von 13 Prozent im ersten Halbjahr signalisiert noch keine Erholung. Potente Märkte wie China, Südkorea und Thailand bestellten nach wie vor weniger deutsche Werkzeugmaschinen als im Vergleichszeitraum 2013. Lediglich Indien legte nach starken Einbußen in den beiden vorangegangenen Jahren wieder zu, und die Nachfrage aus dem vergleichsweise kleinen Markt Japan stieg ebenfalls leicht an. Die Erwartungen richten sich darauf, dass China, der größte Markt für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie, endlich wieder anspringt. Allerdings gehören die hohen zweistelligen Zuwachsraten beim Werkzeugmaschinenverbrauch und damit auch beim Import nach unserer Überzeugung der Vergangenheit an. Jedoch hat die neue chinesische Regierung die Überprüfung der gesamten wirtschaftlichen Planung abgeschlossen. Die ausdrückliche Hinwendung zu mehr Qualität in der Produktion und bei den Produkten bleibt bestehen. Allerdings wurde der Zeitraum, in dem das Ziel erreicht werden soll, gestreckt. Für die angestrebte Qualitätsoffensive müssen chinesische Unternehmen in hochwertige Produktionstechnik investieren. Um davon zu profitieren gilt es für die deutschen Hersteller, am Ball zu bleiben und diesen Markt konsequent auf- und auszubauen. Internationaler Einkaufsmanagerindex stabil
Die dargestellten Entwicklungen zeigen, dass die Weltwirtschaft keineswegs von Pessimismus lahmgelegt ist. Der internationale Einkaufsmanagerindex, ein wichtiger Frühindikator für die Konjunktur, untermauert dies. Er ist nicht so volatil und von Stimmungen beeinflusst wie der Geschäftsklimaindex, weil auch harte Fakten wie Auftrags- und Preisentwicklung, Absatz und Auslastung etc. in die Berechnung einfließen. Global hat sich der Index bemerkenswert stabil gehalten, trotz der vielen Krisenherde in der Welt. In etlichen Märkten wie Japan, Korea 
oder Brasilien bessert sich die Einschätzung. Im wichtigen Leitmarkt USA zeigt die Kurve seit geraumer Zeit sogar steil aufwärts. China hat sich seit seinem Tief im Frühjahr dieses Jahres ebenfalls wieder erholt. Der letzte Monat brachte jedoch einen Wermutstropfen. Meine Damen und Herren, die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob die internationalen Investitionen der wichtigen Abnehmerbranchen für die Werkzeugmaschinenindustrie steigen, wie von Wirtschaftsfachleuten prognostiziert, und die deutschen Hersteller davon profitieren können. Hilfreich wäre es jedenfalls, wenn die Friedensbemühungen in den bestehenden Krisenregionen, allen voran in der Ukraine und im Nahen Osten, endlich zum Erfolg führen würden." Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW. (Quelle der folgenden Charts: VDW, Pressekonferenz AMB 2014)

AMB 2014: Robuste Entwicklung der Werkzeugmaschinenindustrie
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