Produktivität im Zuschnitt steigern – Praxisimpulse 2026 Teil 2

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Stillstandsgründe präzisieren – warum saubere Klassifikation die Grundlage produktiver Steuerung ist

Was Sie in diesem Beitrag erfaheren

• warum unklare Stillstandsgründe die Aussagekraft der OEE schwächen
• wie ein belastbares Zustandsmodell im Zuschnitt aufgebaut wird
• weshalb die Kategorie „Sonstiges“ Auswertungen systematisch entwerten kann
• welche organisatorischen Regeln für eine saubere Klassifikation erforderlich sind
• wie die strukturierte Erfassung im Shopfloor unterstützt werden kann

Ausgangslage

In vielen Schneidbetrieben werden Stillstandszeiten grundsätzlich erfasst, die zugehörigen Gründe jedoch nur eingeschränkt differenziert. Häufig entstehen dabei:
•    Sammelkategorien mit sehr unterschiedlichem Inhalt
•    uneinheitliche Bezeichnungen für ähnliche Ereignisse
•    unklare Zuständigkeiten bei der Zuordnung
•    Erfassungen, die je nach Schicht unterschiedlich vorgenommen werden
Auf den ersten Blick entsteht dadurch Transparenz. In der Auswertung zeigt sich jedoch oft ein anderes Bild: Zeiten sind dokumentiert, die Ursachen dahinter bleiben unscharf. Damit fehlt die Grundlage, um Verluste fachlich richtig einzuordnen und Maßnahmen gezielt abzuleiten.

Warum das relevant ist

Stillstandszeiten allein erklären noch nicht, warum Produktivität verloren geht. Erst die saubere Klassifikation der Gründe macht sichtbar, ob Verluste eher aus folgenden Bereichen entstehen:
•    Materialbereitstellung
•    Bedienung
•    Technik
•    Peripherie
•    Organisation

Für die OEE ist das relevant, weil die Kennzahl nur dann belastbar interpretiert werden kann, wenn die zugrunde liegenden Verlustarten fachlich sauber beschrieben sind.


Stillstandszeiten sind erfasst – aber die Ursachen dahinter bleiben unklar?
Im Blogartikel „OEE Kennzahl berechnen – Formel, Benchmarks & Tipps zur Optimierung“ wird erläutert, wie sich die Kennzahl korrekt berechnen, einordnen und für die Bewertung von Verlusten im Produktionsalltag nutzen lässt.


Praxislogik / Analyseansatz

Unklare Stillstandsgründe entwerten die Auswertung

Wenn unterschiedliche Ursachen unter derselben Bezeichnung erfasst werden, verliert die Auswertung an Aussagekraft. Ein Stillstand wegen Materialmangel erfordert andere Maßnahmen als ein Halt durch:
•    Sensorik
•    Bedienereingriff
•    Wartung
•    fehlende Materialfreigabe
•    Störungen in der Peripherie

Werden diese Fälle gemeinsam betrachtet, entsteht kein belastbares Bild. Hinzu kommt, dass unklare Bezeichnungen im Alltag unterschiedlich interpretiert werden. Was in einer Schicht als technische Störung erfasst wird, wird in einer anderen als Bedienthema oder als allgemeiner Stillstand eingeordnet.

Ein belastbares Zustandsmodell folgt der Prozesslogik

Ein tragfähiges Zustandsmodell orientiert sich nicht an beliebigen Listen, sondern am tatsächlichen Produktionsablauf. Es beschreibt klar:
•    welche Betriebszustände im Zuschnitt unterschieden werden
•    welche Ursachen innerhalb dieser Zustände zugeordnet werden dürfen
•    welche Kategorien für die Steuerung tatsächlich relevant sind
•    welche Begriffe im Alltag eindeutig verstanden werden

Sinnvoll ist eine Struktur, die den realen Ablauf des Schneidprozesses abbildet, zum Beispiel durch die Unterscheidung von:
•    Produktion
•    geplanten Unterbrechungen
•    ungeplanten Stillständen
•    organisatorisch bedingten Wartezeiten

Darunter werden Ursachenfelder definiert, die im Betrieb tatsächlich steuerbar und auswertbar sind.

Die Kategorie „Sonstiges“ braucht klare Grenzen

Die Kategorie „Sonstiges“ ist in vielen Betrieben notwendig, weil nicht jeder Einzelfall im Vorfeld beschrieben werden kann. Problematisch wird sie dann, wenn sie zur regelmäßigen Standardantwort wird.


Wird „Sonstiges“ zu häufig genutzt, entstehen zwei Folgen:
•    die Aussagekraft der Auswertung sinkt, weil relevante Ursachen verdeckt bleiben
•    wiederkehrende Muster lassen sich nicht mehr sauber erkennen

Eine Sammelkategorie sollte deshalb nur für echte Ausnahmefälle vorgesehen sein. Zusätzlich sollte regelmäßig geprüft werden:
•    wie häufig „Sonstiges“ genutzt wird
•    welche konkreten Fälle sich dahinter verbergen
•    ob daraus neue Kategorien abgeleitet werden müssen

Klassifikation braucht klare organisatorische Regeln

Eine saubere Struktur allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie sie im Alltag angewendet wird. Dafür braucht es klare Regeln, zum Beispiel:


•    wer Stillstandsgründe erfasst
•    wann eine Zuordnung erfolgt
•    wie mit unklaren Fällen umzugehen ist
•    wer Kategorien pflegt und überprüft
•    wie Abweichungen zwischen Schichten vermieden werden

Ohne diese organisatorischen Festlegungen entstehen automatisch Unterschiede zwischen Anlagen, Teams und Verantwortungsbereichen. Das Zustandsmodell wird dann nicht nach einheitlichen Kriterien genutzt, sondern nach situativer Einschätzung.


Eine saubere Klassifikation von Stillstandsgründen setzt voraus, dass Zustände, Ursachen und Auswertungslogik nachvollziehbar definiert sind..
Die OEE-Checkliste hilft dabei, typische Schwachstellen in Erfassung, Zuordnung und Kennzahlenbewertung systematisch zu prüfen.

Umsetzung mit Clouver

Im Umsetzungsteil ist vor allem relevant, dass Stillstandsgründe nicht nur erfasst, sondern konsistent strukturiert und auswertbar gemacht werden. Clouver kann dabei unterstützen, Zustände, Ereignisse und Verlustgründe so abzubilden, dass folgende Zusammenhänge nachvollziehbar werden:


•    Häufigkeit einzelner Stillstandsgründe
•    Dauer und Verteilung von Verlustarten
•    Auffälligkeiten nach Anlage, Schicht oder Auftrag
•    Ausweitung unscharfer Kategorien wie „Sonstiges“

Der fachliche Nutzen liegt dabei nicht in einer möglichst großen Zahl von Kategorien, sondern in einer sauberen Zuordnung und einer auswertbaren Ereignislogik.

Konkrete Handlungsempfehlungen

1. Zustände und Verlustgründe getrennt definieren

Zunächst sollte klar unterschieden werden zwischen Betriebszuständen der Anlage und den konkreten Gründen für Unterbrechungen. Diese Trennung verhindert, dass in der Erfassung verschiedene Ebenen vermischt werden.

2. Ursachenkatalog an realen Prozessabläufen ausrichten

Die Klassifikation sollte sich am tatsächlichen Zuschnittprozess orientieren. Kategorien müssen so gewählt sein, dass sie im Alltag:
•    verständlich
•    abgrenzbar
•    für Maßnahmen nutzbar
sind.

3. Die Nutzung von „Sonstiges“ aktiv begrenzen

Für die Sammelkategorie sollten klare Regeln gelten. Zusätzlich sollte regelmäßig ausgewertet werden:
•    wie oft sie genutzt wird
•    welche Fälle sich dahinter verbergen
•    ob neue Kategorien erforderlich sind

4. Verantwortlichkeiten in der Erfassung festlegen

Es sollte eindeutig geregelt sein:
•    wer Gründe erfasst
•    wer Kategorien pflegt
•    wer die Qualität der Zuordnung überprüft
•    wer Auswertungen regelmäßig bewertet
Nur so bleibt die Klassifikation im Schichtalltag konsistent.

Mini-Praxisbeispiel

Ein Schneidbetrieb erfasst Stillstandszeiten bereits seit längerer Zeit, nutzt jedoch nur wenige allgemeine Kategorien. In der Auswertung entsteht zunächst der Eindruck, dass technische Störungen den größten Verlustblock darstellen.
Eine genauere Prüfung zeigt jedoch, dass unter dieser Bezeichnung sehr unterschiedliche Ursachen zusammengefasst wurden, unter anderem:


•    Materialthemen
•    Bedienunterbrechungen
•    Peripheriestörungen
•    technische Ausfälle

Nach einer Überarbeitung des Zustandsmodells werden diese Bereiche klarer getrennt. Zusätzlich wird die Nutzung der Kategorie „Sonstiges“ auf Ausnahmefälle begrenzt. Erst dadurch wird sichtbar, welche Verlustarten tatsächlich regelmäßig auftreten und wo organisatorische oder technische Maßnahmen ansetzen sollten.

Fazit

Eine OEE-Auswertung ist nur so belastbar wie die Qualität ihrer Ursachenklassifikation. Werden Stillstandsgründe unklar, uneinheitlich oder zu allgemein erfasst, entsteht zwar eine Datengrundlage, aber keine verlässliche Steuerungsbasis.
Eine belastbare Klassifikation schafft die Voraussetzung für:


•    aussagekräftige Kennzahlen
•    klar priorisierte Maßnahmen
•    bessere Vergleichbarkeit zwischen Schichten und Anlagen
•    eine gezieltere Steuerung von Verbesserungen im Zuschnitt


Unklare Stillstandsgründe erschweren die Priorisierung von Maßnahmen und schwächen die Aussagekraft der Auswertung.
Wer die Struktur von Stillstandsgründen im eigenen Zuschnitt fachlich prüfen möchte, kann jetzt einen Beratungstermin buchen.


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Mit unserer IIoT-Plattform Clouver unterstützen wir Schneidbetriebe dabei, Stillstände, Leistung und Qualität transparent zu analysieren und gezielt zu verbessern.

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