Tipps, wie die Wirtschaftlichkeit im Lohnzuschnitt erhöht werden kann

Konstruktionszeichnung Plasmateil
Konstruktionszeichnung Plasmateil

Lohnschneidbetriebe zeichnen sich dadurch aus, dass sie Spezialisten für den exakten Zuschnitt bestimmter Materialgüten sind. Dabei beweist die Branche, dass sie ihr Kerngeschäft, den Zuschnitt, in der Regel perfekt beherrscht. Die Fertigungstiefe vieler Lohnschneider ist systembedingt, im Gegensatz beispielsweise zum Maschinenbau, eher als flach zu bezeichnen. Für den Maschinen- oder Anlagenbau stellt der Zuschnitt von Formteilen nur ein Glied in der gesamten Fertigungskette dar. Den Lohnschneider hingegen stellt seine flache Fertigungstiefe häufig unter hohen Wettbewerbsdruck in einem zunehmenden Verdrängungsmarkt.

Daher verwundert es nicht, dass viele Unternehmen der Schneidbranche bestrebt sind, die Wirtschaftlichkeit ihrer Lohnfertigung zu optimieren und sich ständig zu verbessern. Dieses Verhalten generiert eine hohe Offenheit der Lohnschneidbetriebe gegenüber Produktneuheiten, Automatisierungen und Diversifikationsoptionen, sofern diese zum Portfolio des Betriebs passen. Wenn Sie wissen wollen, welche Möglichkeiten Sie als Lohnschneidunternehmen haben, damit Ihre Fertigung wirtschaftlicher wird und kürzere Lieferzeiten ermöglicht, haben wir verschiedene Vorschläge ausgearbeitet.

Siegerteile aus dem Cutting Award® Schneidwettbewerb 2016 für Auszubildende. Von hinten nach vorne: Autogen-, Wasserstrahl-, Plasma-, Laserzuschnitt
Siegerteile aus dem Cutting Award® Schneidwettbewerb 2016 für Auszubildende. Von hinten nach vorne: Autogen-, Wasserstrahl-, Plasma-, Laserzuschnitt

20 Tipps zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit beim Lohnschneiden

  1. Optimale Schneidmaschinen: In der Regel verwenden Profis auch Profi-Maschinen. Diese zeichnen sich durch hohe Verfügbarkeit, maximale Schnittqualität und auf das Produkt zugeschnittene Schneidparameter aus. Maschinen in Lohnbetrieben laufen nicht selten mehrere Schichten pro Tag. Die Produktion steht im Mittelpunkt, die Werkzeuge hierzu müssen einfach funktionieren und dies in jeder Situation. Verlässlichkeit und Verfügbarkeit kennzeichnen derartige Profi-Schneidanlagen. Wartungs- und Reparaturkosten sollten überschaubar und kalkulierbar sein. Der Maschinenservice spielt hierbei eine wichtige Rolle, denn auch Profianlagen benötigen Wartung und fallen bei der für Lohnschneider üblichen Belastung auch mal aus. Dann ist Eile geboten, der Service sollte daher schnell verfügbar und zuverlässig sein. Mindestens ein Backup-System für Schnellschüsse oder bei Maschinenausfall sollte zur Verfügung stehen.
  2. Holen Sie das wirtschaftliche Optimum aus Ihren Schneidanlagen heraus. Schneiden Sie nicht 20 mm dünnen Stahl mit Autogen, wenn es mit Plasma preiswerter möglich ist. Setzen Sie lieber mehr Laserleistung ein, wenn Sie damit die Schneidkosten erheblich senken können. Nutzen Sie mehr Schneidköpfe beim Wasserstrahlschneiden oder eine wirtschaftlichere Hochdruckpumpe oder prüfen Sie, ob das Wassersuspensionsverfahren für Sie günstiger ist.
  3. Optimieren Sie die Logistik, verschenken Sie keine Zeiten für Rüsten oder zeitintensives Entgraten, wenn eine automatische Entgratungsanlage dies für Sie schneller besorgen kann.   
  4. Sorgen Sie für hochwertigeres Vormaterial. Verrostete, verzunderte, verdreckte Bleche erhöhen die Stillstandszeiten, wenn es beim Schneiden zu Schnittabbruch kommt.
  5. Optimieren Sie, wo es möglich und sinnvoll ist. Schaffen Sie eine Kaizen-Umgebung, in der Ihre Mitarbeiter wichtige Vorschläge und Verbesserungen gerne einbringen.
  6. Automatisierungen der Schneidanlagen sollte auf allen sinnvollen Ebenen erfolgen. Die Anlagen sollten über genügend Größe der Tischabmessungen verfügen und möglichst unkompliziert in der Bedienung sein. Automatische Schwingtische oder Fördereinrichtungen sorgen für schnelleres Abräumen und reduzieren die Zeiten für die Tischwartung. Beim Wasserstrahlschneiden sind Austrags- und Reinigungsorgane sinnvolle Ergänzungen für einen preiswerteren Zuschnitt.
  7. Austausch veralteter Anlagen- und CNC-Steuerungen gegen leistungsfähige CNC-Steuerungen mit großem Speicher, genauerer Bahninterpolation und modernen Schnittstellen. Dabei sollte man bereits die IIoT-Fähigkeiten für den nächsten Schritt, der Digitalisierung, gleich mit berücksichtigen. Je nach Umfang kann ein Retrofitting einer 15 oder 20 Jahre alten Schneidanlagen wieder neues Leben einhauchen, vor allem dann, wenn auch die Schneidwerkzeuge gleich mit auf den neusten Stand gebracht werden.
  8. Materialeinkauf, Materialmanagement: Was man beim Einkauf spart, braucht man im Vertrieb nicht zusätzlich hinzu zu verdienen. Ein gutes Materialmanagement und eine sinnvolle Lagervorhaltung sind das Rückgrat der Fertigung. Hilfreich können hierfür auch der Materialpreisindex des stat. Bundesamtes sein, den Schneidforum regelmäßig veröffentlicht.
  9. Restriktive Verkaufspolitik: Klare Regeln für das Unternehmen aufstellen, auf welche Preise man sich einlässt und welche Aufträge man lieber nicht annimmt.
  10. Gezielter Einsatz von Marketing-Tools, die neue Zielkunden erreichen. Erarbeitung eines Marketingkonzepts mit klaren USPs, durch die man sich vom Marktbegleiter abhebt.
  11. Erhöhung der Produkt-Diversifikation durch Erschließung neuer Märkte.
  12. Erweiterung des Leistungsangebots durch spezielle Anarbeitungen. Was spricht gegen das Richten, Fasen, Strahlen, Schweißen von Bauteilen? Welche Möglichkeiten bietet Ihr Unternehmen über das Schneiden hinaus?
  13. Schnittkosten-Optimierung mit Echtzeitüberwachung. Es hilft wenig, wenn man seine Schnittkosten erst am Monatsende oder gar noch später erfährt. Um effizient Fehlentwicklungen gegensteuern zu können, benötigt man eine zeitnahe Datenbereitstellung. Hierzu eignet sich der Einsatz von IIoT-Auswertemodulen, die an beliebigen Maschinen, Hersteller unabhängig, nachgerüstet werden können. Die erfassten Daten stehen On-Premise oder in der Cloud, je nach Modell, den Verantwortlichen zur Verfügung und bilden eine sichere und vor allem prozess- und auftragsnahe Entscheidungsgrundlage.
  14. Senkung der Rüst- und Nebenzeiten
  15. Auslastungserhöhung durch Einsatz von Internet-Hilfsmitteln und speziellen Kampagnen
  16. Schachtelergebnisse mit minimalstem Verschnitt und eine schnelle CNC-Code-Erstellung
  17. Optimal geschultes und motiviertes Personal
  18. Restmaterial-Management
  19. Auftragsbezogene Kostenübersicht in Echtzeit ermöglicht das schnelle Korrigieren von Fehlkalkulationen oder Entdecken von Systemmängeln
  20. Digitalisierung und Echtzeitüberwachung der Prozesse mit Hilfe von IIoT-Modulen, gekoppelter Auftragssteuerung mit MES-Software und übergeordneter ERP-Engine. Sowohl Auslastungsengpässe als auch Ermüdungserscheinungen von Maschinen durch erhöhtes Wartungsaufkommen sollten installiert werden, damit schnelles und vor allem rechtzeitiges Handeln durch Predictive Maintenance potentielle Ausfälle erkennen oder gar vermeiden hilft.

Gibt es in Ihrer Fertigung noch Optimierungspotential? Sprechen Sie uns an, gerne unterstützen wir Sie auf dem Weg zu einer optimierten Fertigung. Kontaktaufnahme

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