Autogenschneiden - forever young!

Brennschneiden mit Sauerstoff hat eine mehr als hundertjährige Tradition in der Stahl und Metall verarbeitenden Industrie. Obwohl es sich dabei um ein sehr altes und bewährtes Verfahren handelt, ist es bis heute aus der Metallverarbeitung nicht wegzudenken. Durch moderne Brenner mit kombinierter Automatisierungstechnik wird der relativ langsame Schneidprozess kontinuierlich weiter verbessert. Auf den nun folgenden Seiten haben wir eine Reihe an Daten und Fakten und Meinungen für Sie zum Thema "autogenes Brennschneiden" zusammengestellt. Schneidforum wünscht Ihnen beim Lesen eine spannende Unterhaltung.

Marktgröße für das autogene Brennschneiden

Autogenes Brennschneiden ist keine exotische Fertigung, ganz im Gegenteil. Kaum ein Schweißer hätte Arbeit, wenn nicht zuvor die Teile zugeschnitten und Schweißnaht vorbereitet werden. In der Regel werden in Deutschland jedes Jahr ca. 40 - 44 Mio. Tonnen Stahl produziert und verarbeitet. In 2020 waren es aufgrund der weltweiten Corona-Beschränkungen erheblich weniger mit rund 36 Mio. Tonnen. Ein großer Teil dieses Stahls muss als Tafel oder Rohr zugeschnitten werden. Dies übernehmen - nach unserer Schätzung min. 36.000 CNC-gesteuerte Schneidmaschinen, davon rund 10.000 Autogenschneidmaschinen, von denen die meisten mit mehr als einem Brennkopf ausgerüstet sind. Diese erzeugen pro Jahr rund 750.000 km an Schnittmetern für Brennteile und Besäumungen. Durch spezielle Vorrichtungen lassen sich die Brenner auch hervorragend zum fasen der Bleche einsetzen. Man schätzt, dass ca. 75% aller Schweißfugen durch Brennzuschnitte entstanden sind. Diese Zahl erscheint uns nicht mehr aktuell zu sein, da Qualitätsplasmabrenner verstärkt in den Markt der Schweißnahtvorbereitung eingedrungen sind und mit 3D-Köpfen ausgestattet erzeugen sie Schnittfugen bis 80 mm, ja sogar bis 100 mm Kantenlänge. Dennoch stammt ein Großteil der Schweißnahtvorbereitung nach wie vor aus der Hand von Brennschneidmaschinen.  

Bild: Autogenes Brennschneiden mit 6 Brennern
Bild: Autogenes Brennschneiden mit 6 Brennern

Autogenschneiden - veraltete Technik? Der Dinosaurier der Schneidverfahren

Stahlteil aus 500mm dickem Material
Stahl 500 mm dick autogen geschnitten

Autogenschneiden ist ein Verfahren, das mittlerweile über 100 Jahre alt und bewährt ist. Es basiert auf der Verbrennung von Kohlenstoff mit dem Sauerstoffstrahl. Daran hat sich auch nach 100 Jahren nichts wesentliches geändert.

Durch Entwicklung neuer Heizgase, durch den Einsatz elektronischer Helfer bei der Höhenregelung oder der Zündung und durch die Erschließung von Automatisierungspotentialen hat sich die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens an die Neuzeit angepasst - wobei der eigentliche Schnitt jedoch nach wie vor mit der Sauerstoffflamme genauso erfolgt, wie vor 100 Jahren, nur eben um ein vielfaches optimierter.

Aufgrund der Dinosaurier langen Lebensdauer scheint die Frage berechtigt zu sein: Ist die Lebensdauer des autogenen Brennschneidens abgelaufen?

 

Ist das autogene Brennschneiden obsolet geworden?

"In England fährt man bekannterweise links!"

Vor einigen Jahren traf ich mich mit meinem Kollegen aus England in einem gemütlichen Pub. Nach ein paar Glas "Tee" tauschten wir unsere Marktbeobachtungen aus. Shocking! Da wollte er mir doch weismachen, dass "kein vernünftiger Mensch mehr autogen schneidet - das sei doch komplett veraltet"!

Was würden Sie darauf geantwortet haben?

  • a. Stimmt, Brennschneiden ist obsolet
  • b. Vielleicht ist Autogenschneiden in einer speziellen Branche nutzlos geworden
  • c. Autogenschneiden, dauert einfach zu lange! Mit Plasma geht es alles viel schneller - Plasmaschneiden gehört die Zukunft.
  • d. Autogenschneiden, es gibt zur Zeit keine wirtschaftlichere Lösung für das Schneiden dicker Bleche

 

Hier die Auflösung: "NEIN, BRENNSCHNEIDEN IST NICHT OBSOLET!"

Das jeweils einzusetzende Schneidverfahren richtet sich natürlich nach dem Bedarf und den Anforderungen - wird dicker Baustahl geschnitten, so ist autogenes Brennschneiden die wirtschaftlichste und damit nach wie vor die beste Wahl.

Schauen wir die Landesstatisken an, so stellen wir fest, dass in Deutschland mehr Anlagen und Maschinen produziert werden als in England oder einem anderen europäischen Land (Stand 2015).
Maschinen und Anlagen, vor allem Pressen und Schwerlastkrane benötigen jedoch häufig Bleche, die dicker als 40 mm sind!
Ständerbleche, Fußplatten, Rahmen, Behälter, Böden, Fahrzeuge, Sonderkonstruktionen etc. enthalten besonders dicke Materialien!
In Deutschland wird daher sehr viel Stahl zwischen 30 mm bis 300 mm geschnitten.

Einige Betriebe haben sich sogar auf das Schneiden von Blechen bis 800 mm und sogar bis 1.500 mm spezialisiert.

Liegt die Blechdicke überwiegend im mittleren Dickenbereich, so sollte ermittelt werden, ob das Plasmaschneiden die wirtschaftlichere Alternative ist, weil nach unseren Berechnungen Plasma mit 1 Brenner bis zu 30/35 mm Blechdicke preiswerter schneidet als 3 Autogenbrenner mit Propan dies zu leisten vermögen.

Im direkten Vergleich 1 Plasmabrenner gegen 1 Autogenbrenner ist der Plasmabrenner sogar noch über 40 mm wirtschaftlicher. Doch dies sollte dann genau ermittelt werden, nicht zuletzt sind auch die Anforderungen, die Genauigkeiten, das Konturteil mit seiner Geometrie entscheidend.

FAZIT:

Autogenschneiden ist ein spezieller Schneidprozess, der besonders im oberen Blechdickenbereich ab 50 mm Materialdicke nicht wegzudenken ist und für den es bei Dicken oberhalb von 250 mm zur Zeit keine Alternative gibt - aus der Schwerindustrie ist daher das Brennschneiden nicht weg zu denken.


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