Autogenschneiden - veraltete Technik?

Stahlteil aus 500mm dickem Material
Stahl 500 mm dick autogen geschnitten

Autogenschneiden ist ein Verfahren, das mittlerweile über 100 Jahre alt und bewährt ist. Es basiert auf der Verbrennung von Kohlenstoff mit dem Sauerstoffstrahl. Daran hat sich auch nach 100 Jahren nichts wesentliches geändert.

Durch Entwicklung neuer Heizgase, durch den Einsatz elektronischer Helfer bei der Höhenregelung oder der Zündung und durch die Erschließung von Automatisierungspotentialen hat sich die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens an die Neuzeit angepasst - wobei der eigentliche Schnitt jedoch nach wie vor mit der Sauerstoffflamme genauso erfolgt, wie vor 100 Jahren.

Daher scheint die Frage berechtigt zu sein: Ist die Lebensdauer des Autogenen Schneidverfahrens abgelaufen?

 

 

Ist das autogene Brennschneiden eine veraltete Technik?

"In England fährt man bekannterweise links!"

Vor einigen Jahren traf ich mich mit meinem Kollegen aus England in einem gemütlichen Pub. Nach ein paar Glas "Tee" tauschten wir unsere Marktbeobachtungen aus. Shocking! Da wollte er mir doch weiß machen, dass "kein vernünftiger Mensch mehr autogen schneidet - das sei doch komplett veraltet"!

Was würden Sie darauf geantwortet haben?

  • a. Stimmt, Brennschneiden ist veraltet?
  • b. Vielleicht gilt dies für eine Branche oder für eine spezielle Region?
  • c. Autogenschneiden - sei nur etwas für Leute die Zeit haben! Mit Plasma geht es alles viel schneller - Plasmaschneiden gehört die Zukunft?
  • d. Autogenschneiden - die wirtschaftlichste Lösung für dickes Blech?

 

 

 

Hier die Auflösung:

Das jeweils einzusetzende Schneidverfahren richtet sich natürlich nach dem Bedarf und den Anforderungen - wird viel dickes Material geschnitten, so ist autogenes Brennschneiden eine gute, wahrscheinlich die beste Wahl. Wird viel Blech im mittleren Blechdickenbereich geschnitten, so ist Plasma eine bessere Alternative, weil es bis zu einer bestimmten Dicke und in einem bestimmten Dickenbereich das wirtschaftlichste Trennverfahren ist.

Schauen wir nun die Landesstatisken an, so stellen wir fest, dass in Deutschland mehr Anlagen und Maschinen produziert werden als in England oder einem anderen europäischen Land (Stand 2015).
Maschinen und Anlagen benötigen jedoch häufig Bleche, die dicker als 40 mm sind!
Ständerbleche, Fußplatten, Rahmen, Behälter, Böden, Fahrzeuge, Sonderkonstruktionen etc. enthalten besonders dicke Materialien! In Deutschland wird daher sehr viel Stahl zwischen 30 mm bis 200 mm geschnitten.

Einige Betriebe haben sich sogar auf das Schneiden von Blechen bis 800 mm und sogar bis 1.500 mm spezialisiert.

 

FAZIT:

Das Autogenschneiden ist ein spezieller Schneidprozess, der besonders im oberen Blechdickenbereich ab 40/80 mm Materialdicke nicht wegzudenken ist und für den es bei Dicken oberhalb von 250 mm zur Zeit keine Alternative gibt - aus der Schwerindustrie ist daher das Brennschneiden nicht weg zu denken.