Was ist besser, selber schneiden oder extern an Lohnschneider vergeben?

70mm dickes Plasmateil
70mm dickes Plasmateil mit sehr guter Oberfläche

Eine pauschale Antwort auf diese Frage "externes oder internes Zuschneiden" ist kaum möglich, denn sowohl das Firmenumfeld, seine Randbedingungen als auch die psychologischen Aspekte spielen dabei eine Rolle. Wir betrachten daher klassifiziert die einzelnen Arche-Typen und diskutieren das Käuferverhalten.

  1. Pragmatisch ausgerichtete Unternehmen: 
    Bei pragmatisch ausgerichteten Unternehmen gilt noch immer "selbst ist der Mann". Dabei gründen sich die ausschlaggebenden Motivatoren für eine Entscheidung auf folgenden Aussagen: ...
  2. Kaufmännisch ausgerichtete Unternehmen: 
    Hingegen argumentiert eine kaufmännisch geprägte Anwendergruppe in eine andere Richtung:
    "Was kostet es jetzt, was kostet es nachher" "Wie kann ich Geld einsparen"? ...
  3. Prozessbezogen ausgerichtete Unternehmen: 
    Sie fragen eher wie folgt "Welche Vorteile hat der Schnitt?" "Wie hoch ist die Qualität, Aufhärtung, Schnittschräge?" "Wie schnell kann ich über die Teile verfügen, Lieferzeiten?" "Werden die Normen ISO 1090, Exec-Class 3 oder 4 eingehalten?" ...

Lesen Sie den ganzen Artikel und erfahren Sie, worauf es ankommt, damit ein Return-On-Investment ROI auch real eintritt. 

 

Intern, selber zuschneiden oder extern an Lohnschneider vergeben? Vor- und Nachteile beider Konzepte!

Wasserstrahlzuschnitt mit Schweissnahtvorbreitung
Wasserstrahlzuschnitt mit Schweissnahtvorbreitung Y-Naht

1. Pragmatisch ausgerichtete Unternehmen

Bei pragmatisch ausgerichteten Unternehmen gilt noch immer "selbst ist der Mann". Dabei gründen sich die ausschlaggebenden Motivatoren für eine Entscheidung auf folgenden Aussagen:
"Hier kocht der Chef selbst" "Es muss schnell gehen" "Wir wollen keine Abhängigkeiten von anderen" "Was wir selber machen können, bleibt bei uns" "Wir lassen uns nicht in die Karten schauen" "Nur was wir selber machen, wird auch ordentlich". Leitgedanken sind dabei häufig:

  • die schnelle Verfügbarkeit der Teile
  • Umgehung von Auswahl- und Einkaufsprodzeduren
  • möglichst viel Fertigungstiefe und Know-how im eigenen Haus behalten
  • Abhängigkeiten reduzieren
  • Qualität selber steuern können
  • "das haben wir schon immer so gemacht" - Gewohnheit

=> Dagegen kommt man mit rationellen Argumenten kaum an!
Die Produktion bleibt in den meisten Fällen im eigenen Haus.
Maschinen die man bei dieser Sorte Anwender findet, sind oft Multifunktionsanlagen, die zuverlässig und preiswert sein sollen. Ein detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung wird nur selten angefragt, da der Kaufgrund ein anderer ist.

2. Kaufmännisch ausgerichtete Unternehmen

Hingegen argumentiert eine eher kaufmännisch ausgeprägte Anwendergruppe in eine andere Richtung:
"Was kostet es jetzt, was kostet es nachher" "Wie kann ich Geld einsparen"? Und in der Tat sobald ein Unternehmen ein bestimmtes Kontingent an Lohnarbeiten nach außen vergibt oder im Gegenzug seine Ausgaben für eine Brennabteilung als zu hoch empfindet, stellt sich unweigerlich die Frage nach einer Optimierung der Kosten. Leitgedanken sind dabei häufig:

  • Kosten pro Teil
  • Kosten im Geschäftsjahr
  • ROI, Return on investment
  • Verfügbarkeit und Qualität werden oft vorausgesetzt, man verlässt sich auf Normen und Qualitätszusagen

Der letzte Punkt ist genau der Schwachpunkt einer möglichen Entscheidung, da hier sehr viele Überraschungen auftreten können bezüglich gemutmaßter Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die erste Frage die sich stellt: Wie hoch ist die jährliche Vergabemenge an Zuschnitten an externe Lieferanten?
Bei Umsätzen von beispielsweise 100.000,- € p.a. kann man schon mal überlegen, die Aufgaben selber zu übernehmen und die Liqidität im eigenen Hause zu behalten. Doch dabei gilt es alle Voraussetzungen im Vorfeld zu überprüfen - ist kein Platz für eine Schneidanlage vorhanden, muss man erst neu bauen, dann fällt die ROI-Berechnung in den ersten Jahren nicht unbedingt positiv aus. Hat man nur einen kleinen Bedarf von z.B. unter 10.000,- Euro p.a. an Zuschnitten zu vergeben, sollte man  wenig Gedanken an eine eigene Fertigung verschwenden, falls und dies ist wieder eine neue Sichtweise, falls man nicht vorhat, selber im Lohn für andere zu schneiden. Wer selber schneidet, kann vieles steuern. Doch Geld verdienen kann er damit nur, wenn er auch alles richtig gemacht hat.

Eine Schneidmaschine kann zum Euro-Vernichter werden, wenn man die Randbedingungen nicht beachtet.

 

So dass unter Umständen das Festhalten an der externen Auftragsvergabe durchaus so manchen Vorteil besitzt, vor allem aber den, des geringeren Risikos eventuelle Fehler beim Aufbau einer Schneidabteilung zu begehen.
Maschinen für diese Anwendergruppe sind meist sehr "schwer" ausgeführt und auf eine zuverlässige Dimensionierung fokussiert. Sowie ein Hammer zu einer bestimmten Nagelgröße passend sein sollte, so werden auch hier die Schneidanlagen sehr spezifisch konfiguriert, da man genau weiss, was man will und entsprechend eingekauft, natürlich mit Lastenheft und Wirtschaftlichkeitsberechnung.

3. Prozessbezogen ausgerichtete Unternehmen

Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe von Anwendern, die prozessbezogen argumentieren. Sie fragen eher wie folgt "Welche Vorteile hat der Schnitt?" "Wie hoch ist die Qualität, Aufhärtung, Schnittschräge?" "Wie schnell kann ich über die Teile verfügen?" "Werden die Normen ISO 1090, Exec-Class 3 oder 4 eingehalten?" Leitgedanken sind dabei häufig:

  • Qualität der Teile
  • Schnelle Verfügbarkeit
  • Anlieferung (mit Zeugnissen und bestimmter Verpackungsart) und Anarbeitung (gestrahlt, geprimert, gefast, etc.), so wie es für ihre Montage am besten ist

Diese Anwendergruppe lässt gerne außer Haus fremdfertigen. Häufig ist diese Haltung bei Maschinen- und Anlagenbauern anzutreffen, die den Schwerpunkt ihrer Fertigung in der Konstruktion sehen, bestenfalls in der Montage der Anlagen und es gewohnt sind, alle Normteile spezifisch und passend einzukaufen und möglichst wenig Ärger und Nacharbeit wünschen. Sie würden sich mit einer solchen Tätigkeit meist nur andere Probleme einkaufen und bleiben daher lieber auf ihrem Gebiet. Meist stellt diese Gruppe hohe Anforderungen an den Lohnzuschnitt, der Lohnschneider muss daher neben hoher Qualität und Zuverlässigkeit auch die gewünschten Zeugnisse und Genauigkeiten einhalten.

Hat ein solcher Betrieb bisher schlechte Erfahrungen mit seinen Zulieferanten gemacht, wird er selber mit dem Gedanken spielen, in Eigenregie zu schneiden. Er wird akzeptieren müssen, dass Schneidmaschinen anders "ticken" als seine ihm bisher vertrauten Dreh- und Fräsanlagen, sprich die klassischen Werkzeugmaschinen. Schneidmaschinen erfordern andere Bedienerkenntnisse, eine andere Systemumgebung. Meist spielt sich alles nach einiger Zeit von allein der Schneidprozess ein. Prinzipiell stellt diese Anwendergruppe hohe Qualitätsanforderungen an die Schneidanlage. Sie vermag nun durch ihre eigene Fertigung den Vorteil der schnellen Verfügbarkeit und der geforderten Qualität besser auszusteuern, sofern das Material vorrätig ist. Kostenmäßig muss diese Anwendergruppe jedoch nicht automatisch besser dastehen, als es bei der Fremdvergabe zuvor der Fall war.

Abschließende Betrachtung:

Stereotypen, die wir hier exemplarisch karikiert haben, dienen nur zur Verdeutlichung der Motivatoren, sind aber in der Praxis als Alleinstellung nicht üblich. Jedes Wirtschaftsunternehmen denkt pragmatisch, kaufmännisch und prozessbezogen. Und natürlich spielen in jeder Gruppe auch weitere Argumente und Randbedingungen eine Rolle, nur halt eben mit jeweils einer anderen Gewichtung. Bei vielen Betrieben fehlt noch die exakte Kostenerfassung, da auftrags- und maschinenbezogene Betriebsdaten oftmals nicht erhoben werden, so dass am Ende überhaupt nur wenig bis keine qualifizierten Aussagen über Kosten und Wirtschaftlichkeit möglich sind. Kosten werden häufig auf die ganze Maschine oder noch schlimmer auf die ganze Abteilung gebucht, so dass am Ende kaum Aussagen über die tatsächlichen Kosten pro Auftrag pro Teil möglich sind und damit sind ROI-Berechnungen kaum sinnvoll. Aber dies ist ein anderes Thema.

Fazit: Die Frage "Lohnschneiden oder Selberschneiden" kann nicht pauschal beantwortet werden. Zu verschieden sind die Randbedingungen, die Kundenanforderungen und die Voraussetzungen. Hier daher eine Auflistung möglicher Entscheidungskritieren. 

 

6 Gründe, die für den eigenen Zuschnitt im Haus sprechen:

  1. Wer Zuschnitte immer in besonders kurzer Zeit verfügbar haben möchte, wird selber zuschneiden.
  2. Wer kein Know-how außer Haus geben möchte, wird selber zuschneiden
  3. Wer den maximalen Einfluss auf die Schnittqualität haben möchte, wird selber zuschneiden.
  4. Wer keine Liquidität nach außen vergeben möchte und davon überzeugt ist, es selber besser zu machen, wird selber zuschneiden.
  5. Wer gerne unabhängig bleiben möchte, wird selber zuschneiden.
  6. Wer ein weiteres Standbein einführen möchte und daran denkt, selber für andere Unternehmen im Lohn zu schneiden, wird selber zuschneiden.

 

6 Gründe, die für eine externe Auftragsvergabe der Lohnzuschnitte an einen Lohnbetrieb bzw. ein Service Center sprechen:

  1. Klare kalkulierbare Kostenstruktur
  2. Kein zusätzliches Personal
  3. Keine zusätzliche Hallenfläche erforderlich
  4. Keine Investitionen in Schneidanlagen, Logistik, Ausbildung
  5. Zuverlässige Lohnbetriebe mit planbaren Lieferzeiten
  6. Keine Qualitätsunsicherheiten

 

Und welche Gründe liegen bei Ihnen vor?

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