Schritt 1: „Mehr Respekt für das Schneiden!“

Schneidkongress-Fahne vor dem Kongresszentrum Dortmunder Westfallenhalle: Mehr Respekt für das Schneiden. Motto am Deutschen Schneidkongress 2016
Schneidkongress-Fahne vor dem Kongresszentrum Dortmunder Westfallenhalle: "Mehr Respekt für das Schneiden" - Motto am Deutschen Schneidkongress 2016

Respekt hat etwas mit Wertschätzung zu tun. 
Dinge oder Menschen, die wir wertschätzen, besitzen eine Bedeutung.
Stahl, Metall, Verbundstoffe, Glas oder Kunststoff - sie alle haben eines gemeinsam, sie müssen geschnitten werden. Schneiden ist ein wichtiges Gewerk im Lebenszyklus eines Produktes. Der Schneidprozess steht weit am Anfang der Wertschöpfungskette und erhält möglicherweise nicht immer die ihm gebührende Beachtung. Beispielsweise ist mindestens eine CNC-Schneidanlage erforderlich, um 10 bis 20 Schweißkabinen mit Arbeit zu versorgen. Niemand kann Teile zusammen schweißen, wenn diese zuvor nicht erzeugt worden sind.

42 bis 45 Mio. Tonnen Stahl werden jährlich in Deutschland eingesetzt - ein Großteil davon besteht aus Tafeln oder Coils und muss bevor es weiter verarbeitet werden kann, zugeschnitten werden. Zusammenfassend könnte man meinen, dass Schneiden doch ein sehr gewichtiges Gewerk darstellt. Warum nur, besitzt es nicht eine höhere Wertigkeit?

Ist diese Frage nicht an der falschen Seite gestellt worden, wurden wir gefragt. Schließlich seien es doch die Anderen die keinen Respekt haben, die Endkunden, die die Zuschnitte am liebsten umsonst beziehen möchten und nicht verstehen, wie kompliziert und teuer doch deren Herstellung war - so argumentierten Besucher.
Aus dem Bereich der Coaching-Konfliktberatung wissen wir, dass Streitbeteiligte häufig als Problemverursacher "immer die anderen" anführen! Häufig anzutreffende Argumente in einer Konfliktberatung lauten: "Wenn der Andere nicht so wäre, dann hätten wir die Probleme nicht", "wenn der Andere sich ändern würde, könnte es klappen" usw. Doch der Andere ist weder im Raum anwesend, noch ist der Andere verfügbar bzw. vielleicht möchte der Andere sich gar nicht ändern.

Die Lösung des Problems finden wir daher nicht bei den Anderen, sondern bei uns selbst!

"Problem space is not solution space", sagte bereits Albert Einstein.

Ändere ich mein Verhalten, so hat dies auch Auswirkungen auf die Beteiligten im System, auf das gesamte Umfeld. Wollen wir erreichen, dass das Schneiden mehr wert geschätzt wird, müssen wir bei uns selber mit einer Änderung der Einstellungen beginnen! Wir können nur die Dinge ändern, für die wir selber verantwortlich sind. Dies bewirkt über das Systemverhalten automatisch einen Einfluss auf den Anderen. Die Aufgabe der Veränderung und die Verantwortung liegen bei uns selber. Ändere ich mich, ändern sich auch andere Beteiligte im System. Beginnen muss ich bei mir selber.

Wir haben drei mögliche Ursachen für diesen Wertverfall in der Schneidbedeutung ermittelt, die wir Ihnen hier vorstellen:


 

 

Ursachen für den Respektverlust

Abgenutzte Auflagen eines Brenntisches
Normaler Brenntisch einer Plasmaschneidanlage mit abgenutzten Materialstreben der Tischauflage

1. Geringe Ausbildungstiefe, wenig Weiterbildung

Es gibt vieles zu wissen und zu lernen, wenn man einen wirklich guten und wirtschaftlichen Schnitt garantieren möchte. Doch dazu muss man dem Schneiden zunächst mehr Respekt entgegen bringen.

Als eminent relevanter Prozess in der Wertschöpfungskette, sollte das Schneiden von fachlich gut ausgebildeten Mitarbeitern durchgeführt werden. Über Materialeigenschaften, Gase und elektrische Energien, osmotischen Druck, Welleneigenschaften des Lichts, über Maschinengrundwissen, wie beispielsweise den Venturi-Effekt beim Wasserstrahlschneiden, thermischen Einflüssen auf das Materialgefüge, bis hin zu chemischen Zusammenhängen und physikalischen und elektrischen Abläufen muss eine ganze Menge Wissen beachtet werden. Umwelt- und Sicherheitstechnik, Prozessdenken, Materialwirtschaft und Software- bzw. CNC-Steuerungswissen kommen noch hinzu. Die Tatsache, dass für das Schneiden von Stahl und Metall in Deutschland noch kein Lehrberuf eingerichtet wurde, muss als handfester Systemfehler begriffen werden. In allen anderen Branchen profitiert man seit Jahren von den unbestreitbaren Vorteilen unseres zweistufigen Lehr- und Ausbildungssystems. 


Approximiert gehen wir von über 36.000 Schneidmaschinen in Deutschland aus, von denen ein Großteil im Ruhrgebiet ihren Einsatz finden. Wenn wir an jeder Maschine im Durchschnitt ein Team von drei Mitarbeitern inkl. Arbeitsvorbereitung ansetzen und lediglich von Einschichtbetrieb ausgehen, dann sind im Minimum 100.000 Menschen mit Schneidarbeiten beschäftigt - das entspricht einer stattlichen Größe.
Warum 100.000 Menschen bisher keinen Ausbildungsberuf haben, ist uns ein Rätsel. Haben Sie eine Antwort darauf? Wir freuen uns auf Ihren Beitrag im Forum.   


2: Geringschätziger Umgang mit den Schneidanlagen

In einer Umfrage des Schneidportals www.schneidfurm.de ermittelten wir, dass zwischen 70% - 80% der CNC-Schneidmaschinen keine regelmäßige Wartung erhalten. Für wartungsintensive Laserschneidanlagen gilt dies nicht, da für diese Maschinen in der Regel ein Wartungsvertrag abgeschlossen wird, andernfalls könnte deren störungsfreier Betrieb nicht sicher gewährleistet werden.

Ganz anders sieht es hingegen bei den robusten Brennschneid- und Wasserstrahlschneidanlagen aus. Ein Unternehmer berichtet, seiner Meinung nach, seien diese Anlagen so robust gebaut, dass sie über mehrere Jahre hinweg einwandfrei arbeiten. "Also, wozu etwas abschmieren, reinigen, nachjustieren, warten, auswechseln, wenn es doch auch so funktioniert," fragte er? Ich kenne kaum eine Drehbank oder Fräsmaschine, die über Nacht in ihrem Staub und Schmutz stehen gelassen wird. So sehen häufig Brenntische im Betrieb aus!

Die haben schon lange keine Wartung erhalten - es sei einfach keine Zeit dafür, hören wir oft als Antwort! 
Diese Frage lässt die beiden Seiten der Medaille erkennen: Auf der einen Seite ist es gut zu wissen, dass man sich auf seine Produktionsmittel verlassen kann. Auf der anderen Seite ist es unvernünftig, seine Produktionsanlagen nicht regelmäßig auf ihren Zustand hin inspizieren zu lassen. 
Diese Art des Umgangs mit Plasma-, Wasserstrahl- und Brennschneidanlagen spiegelt natürlich auch die Wertschätzung wider. Am Ende führt die Einsparung der regelmäßigen Wartung zu einem Wertverlust der Anlage, zu einem Maschinenausfall in ungelegner Zeit und zu erhöhtem Stresspegel, wenn der Hersteller nicht in 24 Stunden die Anlage wieder betriebsbereit in Stand setzen kann.


Wie so oft im Leben, bemerkt der Mensch erst dann, wie bedeutend etwas ist, wenn es nicht mehr da ist oder nicht mehr funktioniert. 



 

3: Reduktion durch Automatisierung und Vereinfachung

Für die immer komplexere Automatisierung und damit Vereinfachung ihrer Schneidanlagen gebührt Maschinenherstellern unser Respekt. Aber es ist ein Trugschluss zu glauben, Mitarbeiter müssten nur noch wissen, wie man den Ein/Aus-Knopf betätigt. Die Betreiber dieser Anlagen sind gut damit beraten, die Angehörigen ihres Betriebs kompetent zu schulen, vor allem im Hinblick auf die Qualitätssicherung, die ohne fachlich gut ausgebildete Kräfte undenkbar ist. Die Vorteile einer fundierten Ausbildung lassen sich anhand von Beispielen aus der Praxis gut nachvollziehen: 


  • Eine Ungenauigkeit von gerade einmal einem Grad bzw. wenigen Zehntel Millimetern kann bei einer Schweißnahtfasenvorbereitung schnell Mehrkosten von einigen hunderttausend Euro durch das Auffüllen der entstandenen Lücken mit Fülldraht bedeuten.
  • Ebenso kann ein gut ausgebildeter Schachtel-Mitarbeiter den Materialverbrauch durch sein Expertenwissen leicht so stark reduzieren, dass sich für das Unternehmen Einsparungen von mehreren zehntausend Euro im Jahr ergeben können.
  • Zuschnitte exakter auszuführen kann manche Reklamation ersparen und bessere Kundenbindung erzeugen.

Wir glauben, dass diese drei Ursachen, die speziell in der Schneidbranche vorzufinden sind, einen maßgeblichen Einfluss darauf ausüben, dass dem Schneiden die verdiente Wertschätzung nicht selten verwehrt bleibt.

 

Was wertvoll ist, hat auch seinen Preis. Gute Arbeit zahlt sich aus!

 

Zusammenfassung:

Wir glauben, dass das Schneiden einen Wert hat und deshalb mehr Respekt und Beachtung verdient. Weil man diesen Wert vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennen kann, stellen wir das Schneiden auf dem Deutschen Schneidkongress® durch die Verleihung des Cutting Awards® 2016 und 2018 in allen vier Schneiddisziplinen (Autogen, Plasma, Laser und Wasserstrahl) für Nachwuchstalente, in den Mittelpunkt.
Auf diese Weise will das Schneidforum seine Wertschätzung gegenüber dem Gewerk des Schneidens und den ausbildenden Unternehmen in Industrie und Handwerk zum Ausdruck bringen. Um den Gegenwert eines guten Schnitts ganz plastisch zu illustrieren, werden die Gewinner mit attraktiven Sachpreisen prämiert.

Was wir uns wünschen?

Eine starke selbstbewusste Branche, die um ihren Wert weiß und die auch selber weitere Maßnahmen ergreift, um Werterhaltung zu betreiben. Die so neu gewonnenen Stärke wird sich im Unternehmen von der Ausbildung, über die Wirtschaftlichkeit bis zum Vertrieb und dem Umgang mit Kunden und Lieferanten positiv auswirken. Faire Preise sind die Voraussetzung für wirtschaftlich gesunde Betriebe und sichere Arbeitsplätze. Mit einem Paradigmenwechsel in der Betrachtungsweise können wir gemeinsam starten - machen Sie mit und kommen Sie zum Schneidkongress. Ein Paradigmenwechsel beginnt oftmals mit einem kleinen Schritt! Lassen Sie uns gemeinsam für eine deutlich sichtbare Branchenstärke nach außen eintreten und machen Sie mit, fühlen Sie sich zugehörig zur Schneidbranche und kommen Sie zum Deutschen Schneidkongress. 

Ihr Gerhard Hoffmann


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