Plasmaschneider richtig auswählen: 8 Auswahltipps für Handplasmageräte

Plasmaschneidanlage trennt 25 mm Baustahl
Plasmaschneidanlage trennt 25 mm Baustahl

Manuelle, tragbare Plasmastromquellen werden auch Handplasmaschneider genannt. Handplasmaschneider sind weitaus häufiger in der Stahl und Metall verarbeitenden Industrie anzutreffen als maschinengeführte Brenner. Geschätztes Verhältnis ca. 70 % Handplasma zu 30 % maschinentauglichen Systemen in Deutschland. Weltweit liegt das Verhältnis eher sogar bei 90 % zu 10 % für Handplasmabrenner. Vom wirtschaftlichen Volumen aus betrachtet, liegt die Marktgröße der Maschinenplasmabrenner jedoch eher bei 50%, obwohl ihre Stückzahl erheblich geringer ist. Eine schier unübersehbare Vielzahl an Angeboten für Handplasmabrenner befindet sich am Markt. Die hier vorgestellten Tipps sollen Ihnen eine Auswahlhilfe geben.

  1. Achten Sie zunächst einmal auf die Zulässigkeit des Handplasmaschneiders mit CE-Kennzeichen und ordentlicher Betriebsanleitung. Selbstverständlich sollte die Anleitung einfach zu verstehen sein und viele visuelle eindeutige Anweisungen enthalten.
  2. Da man beim Plasmaschneiden mit hohen Strömen arbeitet sind Sicherheitsanweisungen im Bezug auf die Gefahren mit elektrischer Spannung unabdingbar.
  3. Auch der passende Stromanschluss muss bedacht werden, denn nicht immer ist auf einer Baustelle die erforderliche elektrische Leistung verfügbar. Natürlich muss der gewählte Strombereich des Plasmaschneiders auch zu der geplanten Schneiddicke passen. Wie dick müssen Sie schneiden? Welche Materialgüten sollen getrennt werden?
  4. Der Monteur sollte auch über eine genügende Anzahl an Verschleißteilen verfügen, damit ihm auf der Baustelle nicht die erforderliche Düsengröße fehlt.
  5. Prinzipiell gilt es zu unterscheiden, dass handgeführte Plasmazuschnitte nicht mit maschinengeführten Zuschnitten verwechselt werden dürfen. Reduzieren Sie daher Ihre Ansprüche an die Schnittqualität, sie ist nicht vergleichbar mit CNC-gesteuerten, maschinengeführten Plasmaschneidern. Über die Schnittqualität muss man sich bei Handplasmaschneidern daher weniger Gedanken machen, denn diese liegt im Bereich der Trennschnittqualität, wenn der Brenner manuell geführt wird. Qualitätsschnitte hingegen, welche die Norm ISO 9013 erfüllen sollen, bleiben den CNC-geführten Schneidmaschinen vorbehalten.
  6. Bei Verwendung von Kreisschneidvorrichtungen oder linearen Verstellschlitten eventuell sogar mit elektromechanischen Antrieb können auch Schnitte mit Handplasmaschneidern eine überaus hohe Schnittqualität erreichen, wenn diese maschinell angetrieben oder wenigstens geführt sind, so dass ein Ruckeln und Zittern durch Hand- oder Armbewegungen reduziert oder ausgeschlossen wird.  
  7. Auf die Umweltbedingungen sollte geachtet werden. Die Umgebungen in denen handgeführte Plasmabrenner zum Einsatz kommen sind häufig sehr staub- und feuchtigkeitsbelastet. Es muss sicher gestellt sein, dass das Handplasmaschneider in dieser Umgebung betrieben werden darf. Gleiches gilt für explosionsgefährdete Umgebungen.
  8. Für Sicherheit im Umgang muss gesorgt werden: Augen-, Atem- und Gehörschutz sowie Schutz vor elektrischem Schlag sind unbedingt einzuhalten. Die Sicherheitsanweisungen des Herstellers sind zu beachten. 

Vorteile und Nachteile der handgeführten Plasmaschneider

  • Der Plasmazuschnitt erzeugt Lärm, Stäube, Funken und UV-Strahlung - vor allen diesen Nebenwirkung hat sich der Anwender sicher zu schützen. Eine geeignete Schutzbrille und Hörschutz sind Pflicht.
  • Je nach zu schneidendem Material können gesundheitsgefährdende Dämpfe freigesetzt werden, so dass der Einsatz einer Atemmaske unverzichtbar ist. 
  • Auf die Lage der Schläuche und Kabel der Handplasmaschneider ist zu achten, damit Stapler diese nicht versehentlich beschädigen oder ein Kollege darüber stolpert.
  • Auf die richtige Erdung ist zu achten, das zu schneidende Material benötigt immer einen guten Maßeanschluss.
  • Rost, Lacke oder andere Stoffe können die Maßeverbindung derart stören, dass ein Zünden des Plasmaschneiders nicht sauber gewährleistet ist.
  • Es muss immer auf eine genügende Frischluftzufuhr geachtet werden, was natürlich auch für das Schneiden mit dem autogenen Brennschneider gilt.
  • Das Arbeiten in Kesseln oder Behältern unterliegt besonderen Vorschriften, die es zu beachten gilt.
  • Auf den Funkenflug, der beim Austritt des Strahls erzeugt wird, ist besonders zu achten, damit keine Brände oder Explosionen entstehen. An Sicherheit für den Bediener und der Umgebung darf bei thermischen Schneidverfahren nicht gespart werden.

Die Anwendung mit Handplasmaschneidern ist bezüglich der geforderten Schnittgenauigkeiten sicher wesentlich anspruchsloser als dies bei maschinengeführten Plasmaschneidern der Fall ist. Aber hinsichtlich der Sicherheit und der Unfallverhütung bedarf es beim manuellen Schneiden einer erhöhten Sorgfalt, da die Umgebungsbedingungen sich jederzeit ändern können, was bei stationären Anlagen weniger häufig der Fall ist. Schon allein das Stolpern über Kabel und der unvorhersehbare Funkenflug des Plasmaschneiders können für Gefahren und Überraschungen sorgen.

Auf der Positivseite des Handplasmaschneiders steht indes: Die geringeren Betriebskosten bei Handplasmaschneidern gegenüber den Maschinenanlagen. Prinzipiell ist der Einsatz von Handplasmaanlagen gegenüber anderen konventionellen Methoden (bohren, fräsen, sägen) als sehr wirtschaftlich zu bezeichnen, was sicher auch zu dem großen Erfolg dieses robusten Verfahrens beigetragen hat.


(Quelle, Autor: © Schneidforum Consulting aus einer News-Veröffentlichung vom 8.12.2015 sowie Veröffentlichung in verschiedenen Fachzeitschriften, überarbeitet am 25.03.2019, 15.03.2021)

Wann setzt man einen Handplasmaschneider vorzugsweise ein?

  • Wann immer auf der Baustelle bei einer Montage ein Mannloch oder ein Stutzen nachträglich einzubringen sind, muss man sich fragen, wie man in einer angemessenen Zeit ein solches Loch in ein beispielsweise 20 mm dickes S235 Baustahl einbringen soll.
  • Sind in einer bereits aufgestellten Stahlkonstruktion Durchbrüche oder sonstige Anpassungen erforderlich, stellt sich auch hier die Frage, wie man diese schnell und unkompliziert erstellen kann.
  • Müssen Teile zerlegt werden, so ergibt sich auch hier die gleiche Fragestellung.
  • Und häufig ist der Handplasmaschneider die ideale Lösung für derartige Anwendungen, bei denen es nicht auf die Schnittqualität ankommt.
  • Auch die Materialgüte und Materialdicke sind wesentliche Einflussfaktoren bei der Auswahl des Schneidverfahrens.
  • Tragbarkeit, einfaches Handling und ein schnelles Endergebnis sind mit entscheidende Kriterien, die für den Einsatz eines Handplasmaschneiders sprechen.
  • Heizungs-Klima-Lüftungsindustrie, Bearbeitung von Dünnblechen
  • Baustellen-Betrieb, dort dann auch bei der lokalen Bearbeitung von Grobblechen