"Projektierungs-Wissen": Der richtige Schneidprozess entscheidet!

Alte Brennschneidanlage - alt aber bezahlt - ist das die preiswerteste Art zu schneiden?

Alle Bemühungen um Wirtschaftlichkeit sind vergeblich, wenn die Basis nicht stimmt!

Ein Zuschnitt ist nur dann wirtschaftlich, wenn er mit dem optimalen Instrument erzeugt wurde. Hierzu ein Beispiel aus der Praxis: In einem Unternehmen werkelte eine alte Brennschneidanlage mit einem Autogenkopf. Der Eigentümer versicherte uns, man könne keinesfalls preiswerter schneiden, da - und hier seine Gründe:

  1. Die alte Brennschneidanlage abgeschrieben sei
  2. Autogenschneiden die geringsten Betriebskosten habe
  3. Er nur sehr wenig teuren Strom benötige, im Gegensatz zu Laser-, Wasserstrahl- oder Plasmaschneidanlagen. Eine teure Filteranlage brauche er auch nicht.
  4. Und er in der Regel sowieso nur wenig gleiche Teile zu schneiden seien, so dass Mehrbrenneranlagen sich nicht lohnen würden.

Hat er Recht mit seiner Behauptung?

Der Anwendungsfall entscheidet über den Schneidprozess! Kosteneinsparung von mehr als 25% möglich!

Stahlschlüssel
Auf das Endprodukt kommt es an! Stahlschlüssel aus 2 mm S235 mit Qualitätsplasma geschnitten.

Nein, unser Unternehmer hat sich geirrt - er verschenkte 25% seiner Marge, weil er zu teuer produzierte. Dabei war die Analyse und Betrachtung seines Material- und Dickenspektrums ausschlaggebend. Der Einkauf von Fremdteilen über externe Lieferanten war nicht möglich, da die Lieferzeiten in der Regel bei ein bis zu zwei Wochen für die Zuschnitte betrugen und dies sei zu lang für ihn, sagte der Unternehmer.


Sein Hauptblechdickenbereich verteilte sich wie folgt 


  • Stahl von 3 bis 5mm, ca. 25%,
  • Stahl von 5 bis 15mm, ca. 50%
  • Stahl von 20 bis 40mm, ca. 20%

  • Stahl von 40 bis 80mm, 5%

Da sein Blechdickenbereich überwiegend im Bereich von 5 bis 25 mm Materialdicke liegt wäre die richtige Lösung für seinen Schneidbereich eine Plasmaschneidanlage mit entsprechend passendem Brenner die erste Wahl gewesen.

Der Spruch "Alt aber bezahlt" stimmte in diesem Fall also nicht.

So wie es diesem Unternehmen erging ist kein Einzelfall. Die Bedeutung des richtigen Werkzeugs für den Zuschnitt wird in weiten Teilen der Wirtschaft verkannt. Ca. 42-44 Mio. Tonnen Stahl werden jährlich in Deutschland produziert und verarbeitet. Stahl in verschiedensten Formen sei es als Blechtafeln, Rohre, Profile muss in der Regel bevor es weiter verbaut werden kann, zugeschnitten werden.

Nach unseren Schätzungen übernehmen diese Aufgabe ca. 36.000 CNC-gesteuerte Schneidanlagen in Deutschland, wobei wir hier in Summe von CNC-gesteuerten Plasma-, Brennschneid-, Laser-, Wasserstrahl- und Rohrschneidanlagen ausgehen, die nicht älter als 15 Jahre sind.

Doch nicht nur im Stahlbereich stellt das Schneiden ein elementares Gewerk dar, auch in anderen Branchen, der Stein- und Glasindustrie, bei Verbundwerkstoffen und Kunststoffen, bei Lebensmitteln oder bei Materialien, die in der Medizin zum Einsatz kommen, ist das CNC-gesteuerte Schneiden nicht wegzudenken.

Und auch die Schweißindustrie ist vom Schneidprozess abhängig. Sie geht von einem Verhältnis von 10 zu 1, manche Schweißunternehmen sogar von 20 zu 1 aus, was bedeutet, dass eine Schneidmaschine erforderlich ist, um 10 bzw. 20 Schweißkabinen mit Arbeit zu versorgen.

Ohne den passenden und qualitativen Zuschnitt stehen die Räder einer modernen Marktwirtschaft schnell still. Doch nicht jeder Schneidprozess ist für jede Aufgabenstellung ideal geeignet.

Plasmaschneiden, so ermittelte das Schneidforum, ist im Stahlbereich von 3 bis 35mm Materialdicke wesentlich preiswerter als eine Autogenschneidanlage mit 3 Brennern.

Besitzt man nun eine Autogenschneidanlage und fertigt der Einfachheit halber schlicht alle Zuschnitte mit diesem Prozess, so schneidet man im Minimum 25% teurer als mit einem Plasmabrenner. Und dies auch wenn die Autogenschneidanlage mit 3 Schneidköpfen oder mehr bestückt ist, denn der Gleichzeitigkeitsfaktor bei Mehrkopfbrennanlagen liegt im Mittel bei 2,2 bis 2,8 - das bedeutet, dass man selten mehr als drei Brenner gleichzeitig benötigt. Und 3 Autogenbrenner verlieren nun mal in der Wirtschaftlichkeit in diesem Dickenbereich gegen einen Plasmabrenner, wenn die Autogenbrenner mit Acetylen schneiden und die Blechstärke überwiegend in dem oben genannten Blechdickenbereich liegt. Dieser Blechdickenbereich ist die Domäne des Plasmastrahls, hier ist er zu Hause.

Interessant wird es, wenn wir nun den Plasmabrenner gegen den Faserlaser antreten lassen, der im mittleren Blechdickenbereich nur einen geringen Gasverbrauch hat und durch seinen hohen elektrischen Wirkungsgrad dem Plasmaprozess locker Paroli bieten kann. Solange die Investitionszinsen auf dem historischen Tiefstand liegen, sollte die Finanzierung durchaus kein unüberbrückbares Hemmnis darstellen.

Doch auch hier müssen alle Parameter betrachtet werden, wenn der Durchsatz an zu schneidenden Teilen zu gering ist oder die Umgebung den Betrieb einer Laserschneidanlage nicht gestattet oder das Vormaterial es nicht erlaubt, dann spricht vieles für Plasma. 

Sind hingegen die Anforderungen an den Zuschnitt sehr hoch, mit mechanischer Nacharbeit verbunden, so kann sich sogar das Wasserstrahlverfahren als das wirtschaftlichste Verfahren darstellen.