Ausleger-Brennschneidmaschinen

Ausleger Autogenanlage
Ausleger Autogenanlage, Baujahr ca. 1988 mit CNC-Steuerung

Eigenschaften der Ausleger-bauform:

Wir treffen noch immer eine Fülle an Auslegeranlagen in deutschen Betrieben an. In der Startzeit der NC-Steuerungen in den 1970ern, war es kaum möglich zwei Antriebssysteme 100% zu synchronisieren, zumindest nicht mit vertretbarem Aufwand. So entwickelte man das Konzept des Auslegers, bei dem nur ein Motor für den Längsantrieb benötigt wird.

Die Steuerungen sind einfach gehalten und viele besitzen keinen oder nur einen sehr kleinen Programmspeicher. Um Daten reproduzierbar ausschneiden zu können, entwickelte man ein optisches Lesegerät, dass man idealerweise auf der anderen Seite des Auslegerarms montierte.
Unter die Lese-Abtastoptik legte man eine geeignete Zeichnung, positionierte den Lesekopf darüber und startete die Autogenbrenner. Zuvor legte man natürlich das gewünschte Material auf den Brenntisch. Leider besaßen und besitzen die alten Anlage oftmals keine Absaugvorrichtungen oder Filtersysteme. Der PC war noch nicht geboren, so dass auch niemand eine serielle oder gar Ethernet-Schnittstelle vermisste. Der Lesekopf tastet nun die gezeichnete Kontur ab und übertrug die Geometriedaten an die NC-Steuerung, die ihrerseits die Antriebe entsprechend steuert. Der Bediener stellte nur die benötigte Schneidgeschwindigkeit ein und legte los. Die Höhe optimierte er durch Sichtkontrolle und mit Hilfe seiner Erfahrungen.
Das System ist nach wie vor einfach zu bedienen und stellte an die Bediener keine besonders hohen Anforderungen. Die Schnittgeschwindigkeiten beim Autogenschneiden sind standesgemäß langsam, üblicherweise je nach Materialdicke bewegen wir uns im Bereich von 80mm/min bis 800mm/min. Die Beschleunigungskräfte derartiger Auslegerschneidanlagen sind sehr gering, so dass in der Regel die Lager und Führungen wenig belastet wurden. Anlagen dieser Art werden nicht selten 20 bis 30 Jahre alt und man findet noch heute viele intakte Maschinen. Um auf Nummer Sicher zu gehen, verschleifen die NC-Steuerungen die Ecken auch noch, d.h. der Zuschnitt einer scharfen 90° Ecke oder einer 30° Spitze waren mit solchen Anlagen kaum möglich, ohne bestimmte Tricks einzusetzen. Die Ecken wurden einfach mit einem einstellbaren Radius geschnitten – dies hat weder die Anwender noch Endkunden sonderlich gestört – es war eben „state of the art“. Aufgrund des Alters sind derartige Auslegerschneidanlagen jedoch von der Ersatzteilversorgung stark gefährdet, viele elektronische Platinen und elektrischen Bauteile sind nicht mehr erhältlich oder nur zu extremen Preisen.
In einigen Fällen kann sich jedoch eine Modernisierung der Anlage mit moderner CNC-Steuerung und neuen Antrieben lohnen! Hier empfehlen wir das Kapitel über Retrofitting zu lesen.

Ist die bewährte Auslegerbauform ausgestorben?

Nein, die Auslegerbauform ist nicht tot. Einige Maschinenhersteller bieten sogar wieder Ausleger-Systeme an, jedoch mit modernster CNC-Technik und mit hochwertigen Antrieben ausgestattet, natürlich dann ohne optischen Auslegerarm, da die Optik im Zeitalter des PCs in der Regel nicht mehr benötigt wird. Trotzdem kann auch eine moderne CNC-gesteuerte Schneidanlage optional über eine CCD-Kamera verfügen, die Zeichnungen oder Bauteile vektorisieren kann und die Daten unmittelbar in CNC-Code umwandelt.
Übrigens: Obwohl Internet, PC und CAD-Systeme überall Einzug gehalten haben, so gibt es dennoch konkrete Anwendungen, wo optische Leseköpfe sinnvoll sind, z.B. im Reparaturdienst von Baufahrzeugen, wenn Baggerschaufeln schnell repariert werden müssen, jedoch aufgrund des Alters keine CAD-Zeichnungen vorliegen. In diesem Fall kommen moderne Abtastsysteme mit CCD-Kameras bestückt, zum Einsatz. Oftmals sind die Systeme derart leistungsfähig, dass sie ohne Zeichnungen auskommen, man legt einfach das Musterteil unter die Kamera – diese tastet die Kontur ab und speichert die so erzeugten Geometriedaten in einem CNC-Code ab, der dann rückwärts auf den PC geladen werden kann und so für weitere Serien zur Verfügung steht, quasi wie ein Scanner.
Dies ist natürlich von Hersteller zu Hersteller verschieden, daher prüfen Sie vorher das Angebot Ihres Lieferanten.

Vorteile des Auslegers:

  • Robust und einfach
  • Häufig einfache Reparaturen und Wartungen selber durchführbar bei alten Systemen
  • Klarer Aufbau und Funktion
  • Preiswertere Lösung als ein Portal
  • Einfache Bedienung
  • Flexibel
  • Durch Auslegerarm eine hohe Zugänglichkeit zum Brenntisch
  • Schnelle manuelle Verschiebbarkeit des Auslegerarms, wenn das Getriebe entkuppelt werden kann

Nachteile des Auslegers:

  • Mit alter Abtastoptik: Zeichnungen altern, vergilben, verändern durch Luftfeuchtigkeit ihre Abmessungen
  • Bei Altanlagen: Hohe Ungenauigkeiten durch "wacklige", schwingungsanfällige Konstruktion. Hohe Geschwindigkeiten, die für Plasma erforderlich sind, nur bedingt bis gar nicht möglich.
  • Bei Altanlagen: Geringe Wirtschaftlichkeit, auch wenn schon lange steuerlich abgeschrieben wurde. Dadurch bei heutigen Lohnkosten: eingeschränkte Eignung für Serienproduktion
  • Durch den optischen Ausleger-Lesearm bei Altanlagen wurde zusätzliche Stellfläche benötigt.