12 Praxis-Tipps für die Einführung einer CNC-Schneidmaschine

Was muss man beachten, wenn man mit dem Zuschnitt beginnen möchte? Was gilt es es beachten, wenn man eine eigene Schneidanlage anschaffen will? Wie sieht die Reealität beim Schneiden aus, wie sind die Randbedingungen? Wo stecken die Gefahrenquellen? Diese und weitere Fragen sensibilisieren für die Implementierung einer Schneidanlage. Doch bevor man mit dem Schneiden beginnt, sollte man ein Auge auf die Erstinbetriebnahme werfen. 

Erstinbetriebnahme im Werk reduziert Verdrahtungsfehler und Kinderkrankheiten!

Wichtig für eine qualitative Schneidmaschinenausführung ist auch der Aufbau, Test und Einrichtung der Anlage, die noch im Werk statt finden sollte, wenngleich es auch bei Großanlagen nicht so ohne weiteres möglich ist.
Endkunden berichteten uns, dass ihr Hersteller die Lieferzeit nicht einhalten konnte und die Anlage dann im halbfertigen Zustand ausgeliefert wurde. Doch steht man unter Zeitdruck kann unter Umständen die Qualitätssicherung darunter leiden, wenn die Anlage in ungünstigen Verhältnissen in Betrieb genommen werden muss. Daher ist es ratsam, die Anlage vorher im Betrieb getestet zu haben und eventl. Verdrahtungsfehler beim Lieferanten zu beheben.
Natürlich hat eine Endjustage und Einrichtung immer beim Kunden, nach erfolgter Montage statt zu finden, das ist anders gar nicht möglich, da die Anlage an die Örtlichkeiten angepasst werden muss und nach einem Transport mit hoher Wahrscheinlichkeit dejustiert ist.

Nebenkosten und Randbedingungen für die Aufstellung einer Schneidanlage

Wie jede andere Maschine auch, benötigt eine Schneidanlage ein Fundament für die Stellfläche, eine Halle, Energien (elektrische, gastechnische, Wasser und die Wasseraufbereitung, Druckluft und sonstige Medien), Lagerfläche für das Material, eine logistische Einbindung in die Fertigung, min. einen Programmierplatz, Vernetzung mit übergeordneten Systemen, Filter- und Absaugtechnik, Entsorgung von Schlamm und anderen Reststoffen, um nur einige Aspekte zu benennen. Die Kosten für die Schaffung dieser Infrastruktur können schnell einige Zehntausend Euro und mehr betragen und sollten in der Kalkulation nicht fehlen. Für die meisten dieser Punkte ist der Betreiber der Anlage verantwortlich. Mit dem Kauf einer CNC-Schneidanlage allein ist es nicht getan - sie erfordert auch ein aufwendiges Energie- und Aufstellkonzept. Berücksichtigen Sie diese Punkte auch bei einer Neuinvestition, damit es hinterher keine Überraschung gibt.

 

12 PRAXIS-TIPPS: Installation und Einführung einer CNC-Schneidanlage 

  1. In der Regel sollte nicht davon ausgegangen werden, dass unmittelbar im Anschluss an die Installation und Einweisung die Produktion hochwertiger Zuschnitte erfolgen kann. Es ist sinnvoll, daß der Maschinenbediener zu erst eine angemessene Zeit zum Kennenlernen und Austesten erhält.
  2. Erst der sichere Umgang mit der Maschine und das Zusammenspiel der schnittbeeinflußenden Parameter ergeben eine sichere Grundlage für eine wirtschaftliche Produktion. So wie die Anschaffung von Ölfarben noch keinen Rembrandt aus einem macht, genauso wenig darf erwartet werden, dass das Wissen um die Funktionen der Bedienelemente schon automatisch zu qualitativ hochwertigen Schnittergebnissen führt.
  3. Das zu schneidende Material sollte in genügender Menge für Schnittversuche zur Verfügung stehen. Ebenso sollten genügend Verschleißteile bereit gehalten werden, damit die Bediener eine reelle Chance haben, Erfahrungen in der Kennenlernphase des Schneidsystems zu sammeln.
  4. Der Schneidanlagenbediener sollte Zeit zum Kennenlernen der Zusammenhänge und der Materialabhängigkeiten erhalten und nicht unmittelbar mit kritischen Schneidaufträgen betraut werden.
  5. Der ideale Brennschneider bringt Erfahrungen in thermischen Schneidprozessen mit und ist im Umgang mit CNC, PC und CAD-Software vertraut bzw. bereit, dies zu erlernen. Es wird viel Eigenverantwortung und ein hohes Maß an Motivation von Bediener erwartet.
  6. Die elektr. Versorgung muss auch beim Schneiden mit hohem Strom stabil bleiben und darf keine unzulässigen Spannungsschwanken besitzen. 
  7. Die kontinuierliche Versorgung mit Gas bzw. Druckluft ohne Durchflussschwankungen oder Druckverluste ist für hochwertige Schnitte von großer Bedeutung.
  8. Die Qualität der Gase, Luft, Wasser etc. muß die benötigten Anforderungen erfüllen.
  9. Beeinflussung durch benachbarte Maschinen, Anlagen, Kran etc. vermeiden, insbesondere können Erschütterungen oder elektromagnetische Wellen, Spannungsspitzen etc. negative Einflüsse auf die Schnittqualität ausüben. Sorgen Sie auch für ein stabiles Fundament.
  10. Starke Temperaturschwankungen oder Temperaturen unter 10°C oder über 40°C können sich auf Funktionen des Maschinensystems störend auswirken, dies gilt auch für das zu schneidende Material (Herstellerangaben berücksichtigen). Auch das Material kann chargenabhängige Schwankungen aufweisen, so dass Bibliotheks-Schnittdaten nicht unmittelbar gelten und variiert werden müssen. 
  11. Der Betreiber der Anlage hat für eine funktionierende Staubfilterung zu sorgen, da ohne Filter die Plasma-, Autogen- und Laser-Anlage nicht betrieben werden dürfen.
    Nicht vergessen: Für die Bereitstellung der Infrastruktur (Fundamente, Kran, Lager, Logistik, Energien, Medien...) ist in der Regel der Betreiber verantwortlich, nicht der Maschinenlieferant.
  12. Starten Sie die neue Anlage auch mit einem Wartungs- und Pflegeplan der Anlage, damit von Beginn an geklärt ist, wer für was in welchem Intervall verantwortlich ist.

 

Diese Tipps gelten dem Wesen nach für alle Schneidprozesse: Autogenschneiden, Laserschneiden, Plasmaschneiden und Wasserstrahlschneiden, natürlich mit der entsprechenden Adaption an das jeweilige Verfahren.