Datenbankgestützte Kalkulationssoftware

Zeichnung eines Plasmateils
Was kostet dieses Plasmateil in S235 8mm dick?

Viele CAD/CAM Produkte sind in der Lage Kosten für ein zu schneidendes Bauteil zu ermitteln. Dabei nutzen diese Produkte häufig die "vorhandene" CAD-Zeichnung des Bauteils sowie Material-, Prozess- und Kosteninformationen aus, die sie aus einer Datenbank entnehmen. Da die Software die exakten Abmessungen des Teils kennt, kann die Kalkulation auf Basis der geometrischen Daten zwar sehr genau erfolgen, doch für einen exakten Preis sind weitere Praxisdaten aus der Fertigung ausschlaggebend. Materialbeschickung und -entnahme müssen ebenso berücksichtigt werden, wie der Materialverschnitt oder Maschinenauslastungen, genau hier kommt eine gute Datenbank ins Spiel.

Kritisch wird die Kalkulation dann, wenn zuviel Zeit für die Angebotsermittlung verstreicht und unter Umständen noch für die Erstellung des Bauteils eine Zeichnung erforderlich ist, deren Erstellung man im Vorfeld gar nicht einkalkuliert hat. Das bedeutet im ungünstigsten Fall, dass noch bevor der Auftrag im Haus ist, der Lohnbetrieb bereits Kosten für die Zeichnungserstellung eines Bauteils zu verbuchen hat.

Ein CAD-System arbeitet aber nicht mal eben so "Pi mal Daumen", sondern nur mit diskreten Werten, also exakt! Daher benötigt man für die Kalkulation eines Angebotes nicht unerhebliche Zeit, die der Anbieter meistens nicht bezahlt bekommt. Manche Software-Hersteller haben spezielle Kalkulations-Software entwickelt, die genau an dieser Stelle aufsetzt.

Die Bauteile-Beschreibung erfolgt eher rudimentär und man nimmt gewisse Toleranzen in Kauf, die mit einiger Übung und Bedienererfahrung sich in Grenzen halten lassen. Ein Teil wird als Ring, Ronde, Rechteck, Mehreck oder Polygonalteil beschrieben mit einer Anzahl x an Löchern, mit Ausschnitten y und so weiter versehen. Diese Beschreibung läßt sich schnell und einfach ausführen. Manch eine Software berücksichtigt gleich weitere Prozesse mit, beispielsweise das Entgraten, Fasen, Autogenschneiden, Wasserstrahlschneiden, Laserschneiden, Plasmaschneiden, unterschiedliche Schnittqualitäten, Rüstzeiten für unterschiedliche Maschinen, und Prozesse und sogar die Dickenabhängigkeit und vielem mehr - versucht also die Realität sehr Nahe abzubilden, was ihr mit Hilfe einer Datenbank auch gelingt, sofern diese über die ensprechenden Zahlen und Informationen verfügt.

Und diese Form der Kalkulation kann relativ schnell erfolgen, so dass bereits am Telefon schnelle Aussagen für den Kalkulator möglich sind. Im Zeitalter von Industrie 4.0 ist dieses Modul ein Herzstück der weiteren Automatisierung und des Datenflusses. Denn solche Module werden in der Regel sehr bedienerfreundlich gestaltet und sie können auch von Nichttechnikern im Innendienst als Verkaufsunterstützung bedient werden. Gleichzeitig wird ein Datenstamm angelegt und dieser steht der AV im Auftragsfall samt allen wichtigen Kundendaten zur Verfügung - Doppeleingaben werden vermieden, Kontrolle durch eine zweite Person ist inkludiert. Die Investition in derartige Module ist daher eine logische Folge in der Strukturoprimierung eines Unternehmens und unerläßlich für eine wirtschaftliche Produktion, die immer häufiger mit Aufträgen in Umfang "Kleinlosigkeit" umgehen muss.

 

Das Datenbank-Modul:

Ohne Datenbank-Verwaltung geht gar nichts! Mögliche Fragestellungen an eine Datenbank könnten lauten: Finde eine bestimmte/s/n ...

  • Auftragsnummer,
  • Material und Stärke,
  • Auftragsdatum,
  • Kundenname,
  • aber auch den Auftrag mit der Fläche x, dem Gewicht y und Aussenabmessungen x mm,
  • die geschnittenen Teile aus Juli 2017,
  • die offenen Jobs von letzter Woche,
  • den Lagerbestand an S355 12mm,
  • etc.

Aufträge, Jobs, Teile und Bleche sollen erfasst und auch terminlich überwacht werden. Manche Datenbanksysteme gehen weiter und decken sogar den Bereich der PPS-Software (Produktions-Planungs-Software) oder MES (Manufacturing Execution System) ab. Sie ermitteln die Auslastung der Maschinen, verteilen die Aufträge sinnvoll und sorgen für mehr Transparenz im Unternehmen. Sie informieren über Auftragsstand und Fertigungstermine auch über Cloud-Anwendungen auf die Pads der Betriebsleiter und Geschäftsleitung. Verwalten Gutteile und Ausschuss und setzen die Anlagen und anderen Ressourcen sinnvoll und wirtschaftlich ein. Für manche Kunden kann auch eine Ankopplung an übergeordnete ERP-Systeme von Interesse sein.

In der Regel nutzen die meisten Systeme eine hierfür geeignete SQL-Datenbank, die relational arbeitet und kaum bis keine Datenlimits kennt.

Digitalisierung des Unternehmens

 

Die Digitalisierung ist die Vorstufe und Bedingung für ein Industrie 4.0. Es gilt, eine effiziente Datensammlung einzuführen. Daten aus allen Prozessen und Abteilungen werden in dieser Datenbank erfasst. Durch eine optimale Datenverknüpfung gelangen die einmal in der Fakturierung erfassten Daten an die richtigen Arbeitsplätze. Daten müssen nur einmal eingegeben bzw. erfasst werden, was die Fehleranfälligkeit erheblich reduziert.

Lagerbestände und Fertigungsdaten können so gemeinsam erfasst und die Informationen an entsprechende Stellen weiter geleitet werden. Die Datenbank sollte auch über die grundlegenden Mechanismen für die eigene Wartung und Reorganisation verfügen. Index-Erstellung, Komprimierung, und Wiederherstellung nach Absturz sollte die Datenbank beherrschen. 

Es versteht sich von selbst, dass derart komplexe Daten mit der richtigen Aufbereitung auch zu einer erheblich präziseren Kalkulation von Bauteilen führen, da dem System alle realen Prozessdaten, Verbrauchskosten und Auslastungen bekannt sind.