Forderung an eine effektive Prozesskontrolle?
Es wäre wünschenswert, wenn durch eine Prozess-Kontrolle die Homogenität des Plasma- und Autogenschnittes gewährleistet wäre. D.h. wenn eine Sensorik dafür sorgen könnte, dass durch Anpassung der Schnittgeschwindigkeit, des Düsenabstands und des Schneidstromes die Qualität des ersten bis zum letzten Konturteils identisch wäre. Ist der Regelbereich am Ende, wäre es wünschenswert, wenn die Sensorik den Schneidprozess stoppt und den Bediener auffordert die Verschleißteile zu wechseln.
Die Verschleißteilekosten für manche Plasmabrenner die im Lohnzuschnitt hoch ausgelastet sind und oftmals nonstop schneiden, können schnell 50.000,- Euro pro Jahr und mehr pro Brennkopf betragen. Man stelle sich nur einmal vor, die Einstellung der Maschine ließe sich so verändern, dass die Lebensdauer der Verschleißteile sich erhöhen ließe - Einsparungen könnten hier schnell einige 10.000 € pro Jahr ausmachen - gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten ein klarer Vorteil. Doch muss eine derartige Einstellung in Echtzeit während des Schneidprozesses erfolgen, sonst kommt die Verbesserung zu spät. Eine abgebrannte Düse lässt sich nicht wieder in Stand setzen und Brennteile die bereits verschnitten wurden, können in der Regel nicht mehr korrigiert werden. Nacharbeit ist teuer, diese Kosten trägt der Endkunde in der Regel nicht.
Die Schnittgeschwindigkeit ist leider nicht immer dieselbe, selbst wenn das Material die gleiche Güte besitzt, so sind Chargenunterschiede beim Schneiden durchaus feststellbar. Die Schnitteinstellungen hängen von der Qualität und der Güte des Materials ab, auch wenn dieser Einfluss nur eine Schwankung von normalerweise nicht mehr als ± 5 % bis ± 10% ausmacht, so wäre es dennoch wünschenswert, wenn eine Anlage dies automatisch erkennen würde und sich selber optimal einstellen könnte.
Durch Abnutzung der Düsen verändert sich der Schnittspalt
Beim thermischen Schneiden trägt der heiße Schneidstrahl soviel Material in der Schnittfuge ab, dass eine Schnittfugenkompensation erforderlich ist. Diese sorgt für das Erreichen einer möglichst guten Maßhaltigkeit des Konturteils. Besonders problematisch beim Plasmaschneiden ist die kurze Lebensdauer der Verschleißteile, weil sich hier bereits nach jedem Schnittmeter und jedem weiteren Einstich der Schnittspalt durch die Abnutzung der Düse verändert. Leider kann ein Mensch diese Abnutzung in Echtzeit während des Schneidens nicht in Millimetern erfassen. Der Schneidprozess selber kann auch nicht beliebig oft angehalten werden, um Stichproben vorzunehmen, um gegenbenfalls die Schnittfuge zu korrigieren. Hier wäre es wünschenswert, ein Vermessungssystem zu implementieren, dass die Teile automatisch beim Schneiden vermisst und Abweichungen erkennt und die Schnittfugenkorrektur in Echtzeit anpasst. Voraussetzung: Die CNC-Steuerung der Maschine spielt da mit. Denn bei vielen CNCs ist eine einmal eingegebene Schnittfugenkompensation für den ganzen Schneidauftrag gültig und läßt sich nicht von Teil zu Teil korrigieren. Es sei denn man stoppt den ganzen Schneidauftrag und fährt erneut mit der neuen Schnittfugeneingabe weiter - dies ist aber viel zu aufwendig. Daher muss hier eine Abstimmung zwischen Sensor-Hersteller und CNC-Hersteller erfolgen, damit diese Funktionen auch möglich sind.
Messsysteme ungeeignet für Plasmaanwendungen
Das Schneidforum hat Gespräche mit diversen Sensor-Herstellern für das automatische Vermessen von Konturteilen geführt: Bisher konnte dabei keine brauchbare Lösung gefunden werden. Handelsübliche Vision-Systeme, die für die mechanischen Bearbeitungen "Fräsen" und "Drehen" oder für Schweißanwendungen entwickelt wurden, müssten für den Einsatz bei thermischen Schneidanwendungen noch eine erhebliche Anpassung erhalten, damit sie für die Zwecke nutzbar wären. Die dann bereits hochpreisigen Überwachungsspezialisten wären damit dann noch teurer und somit unrentabel für den Schneidprozess.
Übliche Vision-Systeme arbeiten dabei im Mikrometer-Bereich, was für Plasma und Autogen überbestimmt ist und sie kommen mit den Umwelteinflüssen des thermischen Schneidens in der Regel nicht zurecht, d.h. die Hitze, Staub, Strahlung ist für diese Art der Sensoren nicht akzeptabel. Die Messsysteme haben auf den staubigen Maschinen und den schwingenden Brenntischen so ihre Probleme. Oftmals wird verlangt die Teile vom Brenntisch zu nehmen und auf einen speziellen Messtisch zu legen - dies ist aus Verfahrens- und Zeitgründen in der Praxis jedoch für Lohnschneider unmöglich. So dass wir nach wie vor feststellen müssen, das es bisher noch keinen bezahlbaren Echtzeit-Prozessspezialisten für das thermische Schneiden gibt. Jedoch seit kurzem treten Systemanbieter auf dem Markt auf, die von sich glauben, einige der wünschenswerten Forderungen zu erfüllen.
Eine Prozessüberwachung sollte folgende Wünsche umsetzen:
- Erkennung, ob ein Schneidprozess sich gerade im Gut- oder Schlecht-Bereich befindet
- Erkennung, ob die Einstellparameter (Höhe und Schnittgeschwindigkeit) in Ordnung sind
- Erkennung, ob die Verschleißteile noch OK sind
- Regelung der Führungsgrößen mit Kommunikation über die CNC in Echtzeit
- Bedienerhinweise für das Personal
These:
Könnte eine Schneidanlage mit einem derartigen System ausgestattet werden, dann könnten Zuschnitte mit gleichbleibender Qualität und hoher Genauigkeit bei geringen Herstellkosten gefertigt werden. Das Unternehmen würde bei den Herstell- und Nachbearbeitungskosten sparen und die Kundenzufriedenheit erhöhen.