Aussage eines CEO eines Blechverarbeiters:
„Was haben wir nicht alles in den letzten Jahren investiert: neue Laseranlagen, hochmoderne Plasma- und Wasserstrahlanlagen, Blechlagersysteme, neue ERP- und Nesting-Software. Wir haben Studien gemacht, Diplomarbeiten anfertigen lassen und Produktionsoptimierer wochenlang durch die Fertigung geschickt. Und trotzdem - wir kommen irgendwie nicht voran. Die Produktivität entwickelt sich nicht so, wie wir uns das vorstellen."
Und selbst das Statistische Bundesamt (1) zeigt diesen Trend auf: die Produktivität entwickelt sich in den letzten Jahren nicht in dem Maße, wie man es erwarten könnte. Die Umstrukturierungsprozesse der Wertschöpfungsketten sind weitgehendst am Ende (2).
Was ist los in der Blechverarbeitung im digitalen Zeitalter?
Johannes Steinbrück erklärt, aus seiner Sicht wird sich in manchen Unternehmen zu viel beschäftigt und zu wenig gearbeitet. D.h. bevor es wirklich um den Kunden und seine Bedürfnisse geht, müssen unnötige und teils zeitraubende Prozesse durchlaufen werden:
- ERP-Programme passen nicht zum Workflow des Vertriebs und der Arbeitsvorbereitung.
- Veraltete Lagerinformationen müssen immer und immer wieder abgeglichen werden.
- Fertigungsrelevante Informationen werden in Excel-Tabelle 1 und 2 und 3 eingetragen.
- Fertigungsstände werden täglich händisch abgeglichen.
- MES-Systeme sind nicht aktuell oder erfassen nur Teilbereiche der Fertigung.
- Die Fertigung läuft im Blindflug.
- Dazu kommen „steigende Anteile an Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Anwendung von Gesetzen und Vorschriften" (3).
Alles Tätigkeiten, die nicht dem Kunden dienen, Zeit vergeuden, Mitarbeiter de-motivieren, Produkte unnötig teuer machen und Lieferzeiten verlängern.
Und je dynamischer und komplexer die Fertigungs-Welt wird, umso chaotischer und kundenferner werden diese Beschäftigungen. Bis das Unternehmen havariert.
Mein Tipp: zurück an die Arbeit. Weg mit allem überflüssigen Kram. Prozesse hinterfragen und mit einer sinnvollen Digitalisierung für ein stärkeres Produktivitätswachstum sorgen. Oder zumindest bei weniger Fachkräften, mehr Dynamik, mehr Aufträgen und höheren Kunden-Anforderungen auf ein gesund hohes Produktivitäts-Level steigen und dort bleiben.
Wie kann so etwas konkret aussehen:
- Geschäftsprozesse und deren Nebenwirkungen analysieren und Produktivitätsfresser finden und entrümpeln.
- Operative Kommunikationswege mittels digitalen Werkzeugen beschleunigen.
- Alle Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen, die für die Arbeit benötigt werden.
- Mehrfache Bearbeitung derselben Information vermeiden.
- Digitalen Workflow dem Unternehmen anpassen und nicht umgekehrt.
- Die Unternehmenskultur immer im Auge behalten. Die Digitalstrategie muss zur Unternehmenskultur passen.
- Die Mitarbeiter als aktiven Teil des Digital-Projektes einbeziehen und nicht nur einen ausgesuchten Führungskreis.
Quellen:
(1) Statistisches Bundesamt: https://www-genesis.destatis.de/genesis/online
Suchbergriff: Produktivität
(2) https://www.destatis.de/DE/Ueber-uns/Kolloquien-Tagungen/Kolloquien/2016/Schmidt.pdf?__blob=publicationFile
(3) https://www.diw.de/de/
diw_01.c.672622.de/produktivitaetswachstum_sinkt_obwohl_erwerbstaetige_besser_qualifiziert_sind.html