Schneiden von Edelstahl, Aluminium, Sonderwerkstoffen

Schneiden von Edelstahl, Aluminium, Sonderwerkstoffen, Messing, Kupfer, Grauguss mit Plasma - wann kommt Stickstoff dabei zum Einsatz? Was sind die besten Schnittparameter dafür? Kann Plasma alle Werkstoffe gleich gut schneiden?

Inhaltsverzeichnis:

Edelstahl, Alu, Grauguss schneiden

Plasmaschneiden eignet sich auch zum Schneiden von Edelstahl, Aluminium und Grauguss, wobei einige Randbedingungen beachtet werden sollten. Edelstahlzuschnitt bleiben eine Herausforderung für Plasma. Warum das so ist? Ein Grund liegt in den Eigenschaften der zum Schneiden erforderlichen Gase: Argon/Wasserstoff, Argon/Stickstoff (Formiergas). Diese Gase weisen andere Eigenschaften und Verhalten im Lichtbogen auf, die Schnittwinkel sind größer als bei Sauerstoff, die Nachläufe um Ecken oder in Innenkonturen sind ausgewaschener, die Gase reagieren auch empfindlicher an Konturenden, Konturecken und an Luftspalten durch bestehende Schnittfugen. Möglicherweise liegt es an den atomaren Eigenschaften der hier zum Einsatz kommenden Gase und der zugehörigen Düsen, Elektroden.

Kupferteile 10 und 15 mm dick, plasmageschnitten mit Stickstoff
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Schneiden von Edelstahl mit Stickstoff:

Folgende Schnitteigenschaften stellen sich ein:

  • Schwarze verzundere Schnittflanken,
  • hohe Gratbildung,
  • unsaubere Schnittfugen.

Prinzipiell sind die erzielbaren Edelstahl-Schnittqualitäten mit Plasma heute bei weitem besser, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war, dennoch sind wir gespannt, was die Zukunft bringen wird.

Wie schneidet man Edelstahl mit dem Plasmabrenner?

Zum Vergleich: Edelstahl 10mm dick: Linkes Teil: Gelasert mit CO2-Laser. Rechtes Teil: Plasmageschnitten mit Argon/Wasserstoff
Zum Vergleich: Edelstahl 10mm dick: Linkes Teil: Gelasert mit CO2-Laser. Rechtes Teil: Plasmageschnitten mit Argon/Wasserstoff

1. Nicht jeder Plasmabrenner eignet sich in gleicher Art und Weise für diese Aufgabe. Je nach Qualitätsanspruch benötigt man zur Erzielung der gewünschten Schnittqualität auch den dafür geeigneten Plasmabrenner.

2. Um Edelstahl optimal schneiden zu können, empfiehlt sich der Einsatz von Argon/Wasserstoff-Gemisch, dass es bereits fertig gemischt in Flaschen zu kaufen gibt. Aufgrund der hohen Energie eignet sich Argon/Wasserstoff zum Schneiden von dickem Edelstahl ab 5 mm. Unterhalb von 5 mm dünnem Edelstahl kann mit Argon/Sticksoff (Formiergas 5%, oder 10%) geschnitten werden. Achtung: Nicht jeder Brenner kann derartige Gase verarbeiten. Daher vorher sorgfältig prüfen und den Hersteller zu Rate ziehen! Die modernen Qualitätsplasmastromquellen bieten modellabhängig diese Option an.

Sind kleine Löcher zu schneiden, so sollte man Geschwindigkeit und Stromstärke ein wenig absenken, natürlich sind dann auch die passenden Verschleißteile auszuwählen. Die Höhenregelung sollte generell beim Schneiden kleiner Löcher "eingefroren" werden, d.h. die Z-Achse darf nicht in die Bohrung abgesenkt werden.

Die Schnittgeschwindigkeiten beim Edelstahlzuschnitt weichen je nach gewähltem Gas vom Zuschnitt im Vergleich zum Schwarzmaterial ab, sie sind in der Regel langsamer.

3. Seit einigen Jahren gibt es Plasma-Brenner, die sich der Thematik Edelstahlschneiden angenommen haben. Beim Wasser-Injektionsplasma-Verfahren wird dem Brenner in seinen Sekundärkreislauf Wasser beigemischt. Beim Schneiden verdampft das Wasser im Lichtbogen und setzt sich im Schnittspalt ab. Aus Plasmasicht können damit ordentliche Schnittqualitäten in Edelstahl erzeugt werden. Auch im Streifenschneiden von Alu wird dieses Verfahren eingesetzt, da die Schnittfugen schneller abkühlen und Verspannungen des Materials reduzieren.
Durch Weiterentwicklungen und Optimierungen der Verschleißteile bei den Qualitätsplasmaschneidbrennern konnten ebenso erhebliche Schnittverbesserungen erreicht werden. Auf dem Gebiet der Edelstahlzuschnitte mit Plasma hat sich in den letzten Jahren erfreulicherweise viel Positives getan.

4. Eine weitere zu berücksichtigende Alternative stellt das Wasserstrahlschneiden das, dass nahezu jeden Stoff hervorragend schneiden kann.

5. Eine weitere Möglichkeit bietet des Laserschneiden insbesondere mit dem Faserlaser. Manche Plasmabrennerhersteller erweitern ihr Sortiment durch Faserlaserstrahlquellen, die sich unter bestimmten Bedingungen sogar an bestehende Schneidanlagen adaptieren lassen sollen. Der Faserlaser bietet im dünneren Blechdickenbereich unterhalb 6-8 mm auch im Edelstahlbereich ein interessantes wirtschaftliches Potential mit dem Nebeneffekt, hohe Schnittgenauigkeiten und Schnittqualitäten zu liefern, wenn gleich der Investitionsaufwand bei weitem höher ist und die Rauheit der Schnittoberfläche noch nicht das Niveau des Plasmaschnitts erreicht. Neuste Faserlaser schneiden Edelstahl auch oberhalb von 20 mm Materialdicke, doch sollte man dabei genau auf die Betriebskosten achten, damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Mit dem Laser, ebenso wie mit dem Wasserstrahl umgeht man eine Menge der Nachteile, die mit dem Plasmazuschnitt von Edelstahl entstehen: Die Schnittflanken sind senkrecht, die Innenradien extrem klein, die Genauigkeiten liegen wesentlich höher.

Hinweis zur Sicherheit: Beim Schneiden von Edelstahl entstehen für gesundheitsschädliche Stäube, die unbedingt abgesaugt werden müssen. Für ausreichend Frischluft ist zu sorgen.

Kann man Aluminium mit Plasma schneiden?

  • Plasma eignet sich hervorragend zum Schneiden von Aluminium (Ausnahme: Aluminium-Lithium-Legierungen und bestimmt Oberflächenbeschichtungen).
  • Aluminium kann mit Druckluft oder Stickstoff als Plasmagas geschnitten werden, je nach Stromquelle
  • Durch automatisierte Gaskonsolen und optimierte Gasmischungen sind die Schnittqualitäten höher
  • Es sind hierfür spezielle Verschleißteile, Düsen und Elektroden einzusetzen, die der jeweilige Hersteller vorgibt
  • Die Schnittgeschwindigkeit ist etwas schneller als beim Schneiden von Edelstahl oder Stahl, dafür sinkt die maximal mögliche Schneiddicke um rund 15 bis 20% ab
  • Die Schnittqualität kann als sehr gut bezeichnet werden, ja nach Brennermodell sind Schnittkanten mit nur einem kleinen Winkel Schnittschräge möglich, der Schnitt hat nur wenig Grat, meistens bartfrei und nur Spritzer, die leicht entfernt werden können. Die Schnittkanten sind metallisch blank und sauber.
  • Die maximalen Schneiddicken hängen vom Plasmabrenner ab, so kann eine HT 4001 mit Zusatzstromquelle und einem Strom von 760 A bis zu 75 mm Aluminium trennen.
  • Eine HiFocus 600i von Kjellberg Finsterwalde schneidet mit 600 A und Argon-Wasserstoff-Gemisch Edelstahl und Alu bis 150 mm / 160 mm Dicke. 150 mm Aluminium kann mit 250 mm/min Schnittgeschwindigkeit geschnitten werden.
  • Problem beim Schneiden von Aluminium sind die entstehenden Rauchgase und Stäube, die dazu neigen können, sich im Filter selber zu entzünden. Hierzu ist der Einsatz spezieller Filter erforderlich.

Beispiele für Schnittgeschwindigkeiten einer Hypertherm Powermax 1650 Handplasmaanlage für Druckluft und einem Schneidstrom von 100 A, der Abstand zwischen Brenner und Werkstück beträgt für alle Schnitte und Materialien 3,2 mm:

  • Aluminium 9,5 mm dick mit 2.336 mm/min bis zu max. 3.606 mm/min
  • Aluminium max. 25,4 mm dick mit 533 mm/min bis zu max. 838 mm/min

Zum Vergleich: Schnittgeschwindigkeit bei Edelstahl

  • Edelstahl 9,5 mm dick mit 2.006 mm/min bis zu max. 3.099 mm/min
  • Edelstahl 25,4 mm dick mit 381 mm/min bis zu max. 584 mm/min
  • Edelstahl max. 31,8 mm dick mit 228 mm/min bis zu max. 355 mm/min

Zum Vergleich: Schneidgeschwindigkeit bei Baustahl

  • Baustahl 9,5 mm dick mit 1.955 mm/min bis zu max. 3.022 mm/min
  • Baustahl 25,4 mm dick mit 457 mm/min bis zu max. 711 mm/min
  • Baustahl max. 31,8 mm dick mit 305 mm/min bis zu max. 482 mm/min

Kann man Kupfer und Messing schneiden?

  • Ja, auch Kupfer und Messing lassen sich hervorragend mit Plasma schneiden
  • Als Plasmagas setzt man auch hier vereinfacht Druckluft oder Stickstoff ein, je nach Modell
  • Es sind hierfür spezielle Verschleißteile, Düsen und Elektroden einzusetzen, die der jeweilige Hersteller vorgibt. Gibt der Hersteller für diese Nischenanwendung keine speziellen Schneidtabellen vor, so werden häufig der Einfachheit die Einstellparameter für Baustahl mit Druckluft angewendet. Die korrekten Schnittgeschwindigkeiten ermittelt man durch Versuche.   
  • Dabei zeigt sich, dass die Schnittgeschwindigkeit geringer ist und auch der maximale Dickenbereich wesentlich abnimmt.
  • Die Schnittqualität kann als dabei als gut bezeichnet werden, ja nach Brennermodell sind Schnittkanten mit nur einem kleinen Winkel Schnittschräge möglich, der Schnitt hat nur wenig Grat, meistens nur Spritzer, die leicht entfernt werden können. Die Schnittkanten sind meistens metallisch blank und sauber.
Fragen aus der Schneidbranche zum Thema:
FAQ Fragen zu Plasmabrenner-Anwendungen aus der Praxis: Rohre, Grauguss etc.

Wie vermeide ich Bartbildung (Schlacke) beim Zuschnitt mit Plasma?

  • Um Bartbildung am Werkstück zu vermeiden, ist die korrekte Abstimmung von Schnittgeschwindigkeit, Stromstärke und Brennerabstand entscheidend.
  • Ein „High-Speed-Bart“ (fest haftend) deutet auf eine zu hohe Geschwindigkeit hin, während ein „Low-Speed-Bart“ (leicht entfernbar) durch zu langsames Schneiden entsteht.
  • Darüber hinaus sollten Sie den Zustand der Verschleißteile und die Reinheit der Gase regelmäßig überprüfen.

Wie finde ich den Fehler, wenn der Plasmaschnitt nicht gelingt?

Im Normalfall ist Plasma sehr fehlertolerant, doch gerade zu Beginn gilt es einige Hürden zu überwinden, wenn die Schnittqualität nicht den gewünschten Anforderungen entspricht. Wie man Schnittfehler vermeidet, haben wir für Sie auf einer eigenen Seite zusammengestellt.

Ein Blick auf das Schnittbild liefert dem Experten bereits einige Hinweise auf potentielle Fehlerquellen. Damit Ihnen das auch. gelingt, haben wir einige Tipss für Sie zusammengestellt: 

Checkliste: 5 Schritte gegen Bartbildung und weitere Fehler

Kann man Rohre mit Plasma schneiden?

Ja, je nach Material sogar sehr gut.

Das Problem ist weniger der Plasmabrenner, als viel mehr die Mimik drum herum. Rohre werden von der CNC über eine Tangenz-Kreisfunktion angesteuert. Hierzu wird eine spezielle Mechanik benötigt.

Will man nicht nur Rohrabschnitte, sondern sogar Durchdringen, Flansche und Ausschnitte mit Schweißnahtvorbereitung produzieren, so ist eine aufwendige Mechanik und CNC-Steuerung hierfür notwendig.

Manche Portalanlagen mit 3D-Fasenkopf sind ebenfalls hierzu in der Lage, wenn sie über die erforderliche Rohrdreheinheit verfügen. Technisch machbar ist dies, jedoch ist das auch kaufmännisch sinnvoll? Damit ein Werkzeug vom Bediener benutzt wird, muss es auch praktikabel handhabbar sein. Was nutzt eine Funktion, wenn deren Bedienung, Umrüstung, Einrichtung etc. zu kompliziert ist und zu viel Zeit verschlingt. Aus kaufmännischer Sicht muss bedacht werden, dass während die Schneidanlage ein Loch in das Rohr schneidet sie gesperrt ist und keine Brennteile, keine Zuschnitte im Flachmaterial gleichzeitig anfertigen kann.

Da wo Rohre im großen Stil geschnitten werden, da hat sich auch eine eigene dafür konzipierte Rohrschneidanlage bezahlt gemacht. Daher ist es aus unserer Sicht sinnvoll, Rohre von einer dafür speziellen Rohrschneideinrichtung schneiden zu lassen. Solche Anlagen existieren auf dem Markt und sie können Rohrdurchmesser von 500 mm und mehr schneiden, Rohrlängen von 16 m und mehr sind ebenso machbar. Rohrstärken bis 60 mm und mehr sind für Plasma kein Problem.

Kann man Grauguss 20 mit Plasma schneiden? Wenn ja, wie?

Am Beispiel GG20 (EN-GJL-200 neue Bezeichnung) mit 60 mm Dicke wird beschrieben, wie man am besten Grauguss schneiden kann.

Autogenschneiden scheidet in der Regel aus, weil der Kohlenstoffgehalt von Grauguss zu hoch ist! Eine Autogen-Schneidbarkeit mit Hilfe eines Opferblechs könnte theoretisch möglich sein, wobei Risse sich als Folge des hohen C-Anteils bilden können. Evtl. zusätzliches Vor- und Nachglühen erforderlich - also kein einfaches Unterfangen.

Somit kommt Plasma als Schneidwerkzeug für Grauguss zum Einsatz

  • Für Plasma liegt das Problem im hohen Siliziumgehalt von 1,7 bis 3,5 %, das bedeutet: es ist Grat- und Bart-Bildung an der Unterseite des Zuschnitts zu erwarten und es muss nachgearbeitet und entgratet werden!
  • Prinzipiell läßt sich Grauguss wie Stahl schneiden, d.h. man kann die meisten Parameter aus den Tabellangaben von Stahl übernehmen (leichte Anpassungen erforderlich).
  • Ein weiteres Problem ist möglich: Sand! Da wir nicht wissen, wie der Grauguss entstanden ist, besteht die Möglichkeit, dass das Material in Sand gegossen wurde und somit Sandpartikel zurück geblieben sind. Diese führen zu einer Ablenkung des Plasmastrahls, höherer Bartbildung und zu schlechteren Schnitten.
  • Ein weiteres Risiko sind mögliche Lunker und Verunreinigungen im Material - dies kann zu Schnittabrissen oder Rückschlägen führen.
    Außerdem: Lochstechen in 60 mm Materialdicke bedeutet hohen Düsenverschleiß, eventuell könnte es hilfreich sein, mit einer alten Düse die Lochstechpunkte vorzustechen oder vorzubohren.
  • Eine weitere Herausforderung könnte beim Schneiden kleiner Löcher und zu hohen Anforderungen an die Schnitttoleranzen liegen, denn Zuschnitte in 60 mm Dicke sind generell nicht unkompliziert!
  • Zu berücksichtigen ist auch die Stückzahl, wie viel Teile davon zu schneiden sind. Es empfiehlt sich die geschnittenen Teile häufiger nachzumessen und durch rechtzeitigen Austausch der Verschleißteile schlimmere Fehler zu vermeiden.
  • Einstellparameter für das Plasma: Die Stromquelle kann im Prinzip genauso eingestellt werden, wie bei Schwarzblech mit der entsprechenden Materialdicke.
  • Grauguss kann mit Luft oder Sauerstoff geschnitten werden. Das Plasmagas Luft ergibt jedoch viel mehr braunen Rauch und Schadstoffe. Besser ist es mit Sauerstoff und dem Wirbelgas Luft zu schneiden. Ansonsten ist ein normaler Schneidvorgang entsprechend den Schneiddaten der Plasmahersteller sinnvoll.
  • Für 60 mm Materialdicke sollte eine Stromstärke von min. 300 A eingesetzt werden.

Wir bedanken und bei den folgenden Herstellern für die Unterstützung und Hilfe bei diesem Beitrag: Fa. Hypertherm, Fa. Kjellberg Finsterwalde

Probleme beim Schneiden von Löchern in Edelstahl und Alu?

Wir arbeiten mit einer CNC Plasmaschneidanlage mit einer Plasmaquelle Kjellberg Smart Focus 130 mit Quality Hole Funktion. Nun zum Problem: 2 und 3 mm Edelstahl und Alu. Gewünschter Lochdurchmesser: 5 mm. Ergebnis: Das Loch hat oben 5.2 mm und unten 4 mm Duchmesser. Schrauben passen nicht durch. Was müssen wir tun, um eine Lochdurchmesser oben von so auf 5,3 mm und unten so auf 5,1 bis 5,2 mm hinzubekommen?

Antwort:

Normalerweise bringen diese hier genannten Maßnahmen eine erhöhte Lochqualität:

1. Vorschubgeschwindigkeit deutlich verringern

2. Kleineren Schneidstrom verwenden

3. Günstigere Einstech- oder Ausstechgeometrie und deren Optimierung. Auch Lochstechen mit "fliegendem Anstich" ist eine gute Möglichkeit  

Aber: Deine Ansprüche sind mit diesem Normalplasmabrenner gar nicht erfüllbar. Die von Dir gewünschte Genauigkeit liegt bei ± 0,05 bis ± 0,1 mm - dies schafft nur der Laser, das bekommt man nicht einmal mit dem Feinstrahlplasma hin. Kann es sein, dass Du die falsche Schneidtechnologie ausgesucht hast?
Stimmt die Grundsatzfragen:

  • Plasma schneidet im Schwarzblechbereich "hervorragend", wenn man die besten Brenner einsetzt, wobei das Wort "Hervorragend" niemals mit dem Maßstab eines Lasers gleichzusetzen ist. Deine Toleranzwünsche bei der Bohrung sprechen eher dafür, dass Du mit keinem Plasma zufrieden sein wirst. Denn eine Bohrung mit der gewünschten Genauigkeit in dem für Plasma schwer zu schneidenden Metall Edelstahl ist gar nicht möglich. Daher überprüfe,  ob Plasma überhaupt das richtige Verfahren für Deine Anforderungen ist, ob nicht das Laserschneiden oder Wasserstrahlschneiden hier die besseren Antworten liefern würden.
  • Um kleine Bohrungen in Edelstahl mit möglichst guter Toleranz zu erzeugen, benötigt man auch den entsprechenden Plasmabrenner. Die Smart Focus ist ein solides und preiswertes Basisgerät, aber eben keine HiFocus-Plasmaschneidanlage, die ein Mehrfaches davon kostet und die gerade im Dünnblechbereich besser abschneidet.
  • Will man Edelstahl schneiden, so sollte man auch ein passendes Plasmagas einsetzen. Bei dem dünnen Material, eignet sich ein leichtes Formiergas gut - aber VORSICHT: Das Gas ist nicht für jedem Plasmabrenner zulässig - bitte im Handbuch nachschauen und Hersteller zu Rate ziehen.
    Alu kann man hingegen ganz gut mit Stickstoff schneiden, manche schwören auch auf Druckluft, der Unterschied ist meistens nicht besonders groß. In jedem Fall benötigt jedes Gas auch seine spezifischen Plasmaverschleißteile, diese müssen zum Gas und zur Stromstärke passen.
  • Übrigens, wie genau ist die Schneidmaschine? Kann sie die gewünschte Kontur in der erforderlichen Genauigkeit erzeugen?

Fazit: Wenn alle diese Tipps nicht greifen, sollte man an eine höherwertige Brenner oder an einen Laser denken.

Trennschnitt mit dem Plasma

Bernd K. fragt: Wir möchten mit unserer CNC Plasmaschneidanlage mit Lichtbogenhöhenregelung eine 8 mm starke Stahlplatte mit der Tafelgröße 1,5 m x 3 m sauber trennen, d.h. ohne Einstichloch. Ein Workaround wäre ja, neben der Platte eine kleine Hilfsplatte zu fixieren, wo der Einstich erfolgt und der Trennschnitt startet. Aber gibt es nicht elegantere und einfachere Möglichkeiten per Software oder EInstellungen am Gerät?

Gerhard Hoffmann: Prinzipiell kann man das so machen. Aber es geht schneller und wird in der Regel auch so gemacht, wenn Du den Plasmaschneidkopf an den Rand des Blechs bewegst und den Schnitt von dort aus direkt startest. Du willst doch nur eine Blechplatte abtrennen, d.h. es kommt dabei nicht auf die beste Schnittqualität an. Und deshalb wird häufig die Höhenregelung ausgeschaltet und man fährt mit konstanter, unter Umständen auch falscher Höhe, den Trennschnitt manuell ab. Aufpassen, dass der Brenner nicht aufsetzt, daher lieber etwas zu hoch, als zu nah dran. Und dann geht das ziemlich schnell. Einfach seitlich ran fahren, Libo aus, Starten und losfahren. Der Plasmabrenner zündet sobald er das Blech erreicht. Kleiner Nachteil: Die Elektrode brennt ein wenig schneller ab und Du solltest auf eine mögliche Crashgefahr achten.

Wenn Dir jedoch auch die Schnittqualität wichtig ist, dann gibt es noch eine andere Möglichkeit.

Daher probiere mal folgendes aus: Fahre den Schneidkopf an den Rand des Bleches, aber ein oder zwei (muss man ausprobieren) Millimeter darüber hinaus, so dass der Brenner jetzt nah am Blech aber dennoch in der Luft zündet. Schalte vorher die Libo aus und starte erst dann den Brenner. Der Pilotlichtbogen zündet unter Umständen mehrmals, vielleicht muss man dann noch manuell ein Stück näher dran ans Blech, bis der Pilotlichtbogen den Rand findet. Hat er das Blech erkannt, zündet der Hauptlichtbogen und Du kannst starten. Jetzt kannst Du sogar die Libo wieder einschalten und bekommst eine geregelte Schnitthöhe. Kurz vor dem Ende muss man die Libo aber wieder ausschalten, damit der Brenner nicht abtaucht, sonst ist der Düsenverschleiß zu hoch. Damit sollte es gelingen, einen sauberen Schnitt hinzubekommen."

Bernd K.: Ist eine Trennung durch Programmierung möglich?

Gerhard Hoffmann: Was hingegen nicht funktioniert, ist der folgende Plan: Durch das CNC-Programm den Brenner so zu verfahren, dass der Brenner nahe an die Kante der Platte fährt, so dass die THC Steuerung beim Start die Oberfläche antippt und den Abstand messen kann. Dann fährt der Brenner wie gehabt hoch, zündet, fährt 2 cm in die entgegengesetzte Richtung, fährt bis auf den korrekten, zuvor gemessenen Abstand herunter und fährt dann die zu schneidende Linie ab.

Dies funktioniert aus folgendem Grund nicht: Wenn man ein Programm auf der CNC lädt, dann wird der gesamte G-Code in den RAM-Speicher geladen, die Verfahrdatensätze werden berechnet, die Schnittfugenkompensation wird ermittelt und vieles mehr. Normalerweise ist da ein manueller Eingriff nicht mehr möglich. Deshalb werden die Achsen auch vorher verfahren, der Startpunkt wird vorher gesetzt. Wenn Du nun einen zusätzlichen Befehl für das Verfahren der Anlage zum Blechrand von 2 cm einprogrammierst ist das zwar möglich, doch wenn Du diese 2 cm danach erneut abfährst, geht Dir sehr wahrscheinlich der Plasmabrenner aus, denn er findet dort kein Material mehr vor. Daher dürfte das auch problematisch werden. Probleme könnte es auch damit geben, dass Du keine geschlossene Kontur hast und die Ermittlung der Schnittfugenkompensation damit nicht möglich ist - die CNC wird wahrscheinlich aussteigen.

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