Was zeichnet eine gute Schnittqualität aus?

Optimaler Schnitt mit Plasma mit Feinstrahlplasmabrenner von 3 mm S235: Saubere Konturen
Bild 1: Plasmazuschnitt mit Feinstrahlplasma, Material 3 mm S235: Optimaler Schnitt

Ein optimaler Plasmazuschnitt ist immer dann erreicht, wenn sowohl der Besteller des Zuschnitts als auch der Lohnbetrieb mit dem Zuschnitt zufrieden sind.

Kurzbeschreibung in 6 Kriterien:

  1. ISO 9013: Genauigkeit
  2. ISO 9013: Minimale Riefenbildung (glatte Kante).
  3. ISO 9013: Rechtwinkligkeit innerhalb der Toleranzklassen.
  4. Wenig Bartbildung an der Unterkante (reduziert das Entgraten)
  5. Herstellkosten: Der beste Schnitt nutzt nichts, wenn er zu teuer ist!
  6. Reproduzierbarkeit: Das bedeutet, nicht nur ein gutes Teil schneiden, sondern möglichst den ganzen Auftrag mit gleicher Qualität, um Reklamationen zu vermeiden

Welche Faktoren beeinflussen die Schnittqualität?

  • Plasmabrennertyp - nicht jeder Plasmaschneider kann jede Schneidaufgabe gleich gut lösen: Das im Bild 1 abgebildete Werkstück in Form eines Schlüssels wurde mit einem Feinstrahlplasmabrenner mit nur 30 A und einer geringen Vorschubgeschwindigkeit von ca. 1.100 mm/min geschnitten. Als Plasmagas wurde Sauerstoff eingesetzt, als Sekundärgas Druckluft. Die Neigung der Schnittkanten sollte so gering wie möglich sein: Das mit dem  Maschinenplasmabrenner erzeugte Teil, siehe Bild 1, besitzt einen Neigungswinkel < 2°. Bei Verwendung von Normalplasmabrennern ist der Winkel naturgemäß größer, er sollte wenn möglich unter 8° liegen.
  • Plasmaschneidmaschine - die Schnittqualität ist auch abhängig vom Maschinensystem, sie liegt in der Regel bei ± wenigen Zehntelmillimetern in der Genauigkeit, je nach Materialdicke. Die dazu passende Norm finden Sie im Artikel über die DIN EN ISO9013. Der Beispielschlüssel aus Bild 1 wurde auf einer Plasmaschneidanlage mit Kugelumlaufspindel geschnitten. Eine Kugelumlaufspindel überträgt physikalisch bedingt die erforderlichen Beschleunigungskräfte wesentlich konturtreuer als eine Zahnstangen/Ritzel-Antriebseinheit dies zu leisten vermag. Die Verwendung von Kugelumlaufspindeln stellt jedoch eine Ausnahme dar - daher versuchen Sie erst gar nicht, diesen Schlüssel nachzuschneiden - das könnte zur Enttäuschung werden! Sollte es dennoch gelingen, Gratulation, dann lassen Sie uns dies wissen und senden Sie uns ein Fotos zu.
  • Plasmabrennerart - Maschine oder Hand! Plasmaschneider, die von Hand geführt werden, besitzen andere Eigenschaften, andere Aufgabenstellungen, als Maschinenbrenner und können daher diese hohe Qualität, Masshaltigkeit und Reproduktion nicht gewährleisten. Über Handplasmageräte berichten wir an anderer Stelle ausführlich.
  • Nachfolgeprozess - die Kanten sollten für den Nachfolgeprozess metallurgisch optimal vorbereitet sein. Soll das Plasmateil im Anschluß verschweißt werden, so sollte der Plasmacutter mit Sauerstoff als Plasmagas den kohlenstoffhaltigen Stahl wie S235 oder S355 schneiden. Soll das Teil im Anschluss pulverbeschichtet oder naß lackiert werden müssen gegebenenfalls andere Plasmaschneidgase eingesetzt werden.
  • Wirtschaftlichkeit - ein optimaler Plasmazuschnitt muss auch wirtschaftlich sein, das bedeutet seine Verschleißteile sollen möglichst lange Standzeiten besitzen.
  • Maschinenbediener und Prozessicherheit - der optimale Plasmacutter gefährdet auch nicht den Maschinenbediener oder sein Umfeld. Sicherheitsmaßnahmen werden berücksichtigt, wie beispielsweise die Erdung, Absaugung der emittierten Gase, der Stromanschluss, der Sichtschutz vor UV-Strahlung, der Lärmschutz, denn je nach Plasmabrenner, Plasmaleistung kann die Lärmbelastung auch über 120 dBA hinaus gehen.
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Wie genau ist ein Plasmaschnitt?

Genauigkeit beim Plasmazuschnitt: 3 mm Löcher in 3 mm dickes S235-Material war früher für Plasma eine Sensation - heute mit Qualitätsplasma und einer dafür ausgelegten Maschine machbar! Rückseite des Zuschnitts nur eine geringe Einkerbung.
Genauigkeit beim Plasmazuschnitt: 3 mm Löcher in 3 mm dickes S235-Material war früher für Plasmaschneider eine Sensation - heute mit Qualitätsplasma und einer dafür ausgelegten Maschine machbar! Rückseite des Zuschnitts kaum Einkerbung

Die erzielbare Genauigkeit kann man optimieren, wenn man die richtigen Stellschrauben kennt und die wir im Beitrag über die Schnittfehler erläutern.

Da auch die Bedienererfahrung eine bedeutende Rolle spielt, empfehlen wir, wenn möglich, die Parameter im Einzelfall durch konkrete Schneidversuche zu optimieren und so zu überprüfen, ob der Plasmabrenner die an ihn gestellten Toleranzen erfüllen kann.

Als Beispiel hier einige Aussagen, wie manche Unternehmen ihre erzielbare Toleranz bei Zuschnitten angeben. Die Werte unterscheiden sich in der Praxis stark:

  • Manche Unternehmen erreichen Genauigkeiten von ± 0,5 mm in 40 mm dickem Edelstahl.
  • Andere geben bei Stahl mit 10 mm Dicke eine Toleranz von ± 0,2 mm an.

Die Genauigkeit des Schneidverfahrens wollen wir im weiteren erörtern.

Die Genauigkeit von Plasmazuschnitten ist abhängig von: —

Die erzielbare Schnittgenauigkeit bei Zuschnitten ist abhängig von vielen verschiedenen Parametern:

  • Materialdicke
  • Material
  • eingestelltem Strom
  • Gasen und Gasqualität
  • Brenner-, Maschinentyp
  • Höhenregelung —
  • Düsenqualität und deren Alter, Betriebsstunden
  • Kontur, Geometrie
  • Bedienererfahrung
  • Maschinenqualität

Aufgabenstellung im Stahl- und Metallbau: Lochgenauigkeit

Im Stahlbau müssen häufig typische 17 mm Durchgangslöcher an den Kopf- und Fussplatten eingebracht werden. Bei diesen Löchern ist es wichtig, dass eine 17 mm Schraube problemlos hindurch passen muss.

Problem: Lochgenauigkeit

Beim Plasmazuschnitt ist der obere Ausschnitt größer als der untere, das Loch läuft konisch zu. Die Schraube passt zwar oberhalb in das Loch aber nicht durch das Loch. Also wird das Loch in der Praxis einfach größer geschnitten, so dass es oben einen größeren Durchmesser als 17 mm besitzt und an der Materialunterseite die Schraube so gerade durch passt. So spart man sich vermeintlich die Nacharbeit ein, dem Aufbohren. Doch so einfach und zulässig ist das nicht. Der Überdeckungsfaktor ist hierbei nicht selten zu gering, d.h. die Schraube hat zu wenig Material zum Festziehen zur Verfügung, dies gefährdet unter Umständen die Statik eines Gebäudes und wird vom Architekten, Statiker nicht zugelassen.

Lösung:

Um das Problem zu lösen, wird die Bohrung so eng und passend wie möglich geschnitten, vorausgesetzt das Bauvorhaben erlaubt generell die Nutzung eines thermischen Trennverfahrens.

Die besten Schnittgenauigkeiten erreicht ein Qualitätsplasma mit einschnürendem Plasmastrahl und Sekundärgastechnik, das in der Lage ist, das 17 mm große Loch in beispielsweise 20 mm dicken Stahl mit einer Toleranz von z. B. ± 0,3 mm zu erzeugen. Während beispielsweise ein konventioneller Plasmacutter nur eine Toleranz von ± 0,6 mm oder schlechter in gleichem Material erreichen würde.

Dies bedeutet: Mit Normalplasma schneidet man das Loch z.B. mit 18,2 mm Durchmessern an der Oberseite und erhält am Lochaustritt die gewünschten 17 mm Durchgang. Während der Zuschnitt mit Feinstrahlplasma ein oberes Loch mit beispielsweise 17,6 mm Lochdurchmesser erzeugen könnte.

Fazit:

Gesetz dem Fall der thermische Zuschnitt sei erlaubt, dann besteht die Chance mit einem modernen Qualitätsplasmabrenner eine bessere Toleranz zu erreichen als mit dem Normalplasmabrenner und spart so aufwendige Bohrarbeiten ein.

Die Lochgenauigkeit ist nur ein wichtiges Thema von weiteren. Die Lochtoleranzen werden auch von der Schneidmaschine beeinflusst.

Wo reicht die Schnittqualität eventuell nicht aus? Die Grenzen des Verfahrens

Es gibt Einsatzfälle, in denen der Plasmazuschnitt weniger gut einsetzbar ist und man eine abgesenkte Schnittqualität akzeptieren sollte. In vielen Fällen kommt der einfache, normale Plasmabrenner schnell an seine Grenzen. Berücksichtigen Sie dabei, dass alle nun folgenden Angaben vom Brennertyp, Material, Einstellwerten und vom persönlichen Empfinden abhängig sind! Wo es mit der Schnittqualität bei Plasma Grenzen gibt:

  • Kleine Löcher - die Herstellung kleiner Bohrungen kann zu einem Problem werden.
    • Mit den modernen Qualitätsplasmabrennern / Feinstrahlplasma mit spezieller Lochschneidtechnologie können ansehnliche kleine Löcher, in manchen Dickenbereichen sogar im Verhältnis von 1 zu 1 oder besser (Materialdicke zu Lochdurchmesser) produziert werden.
    • Bisherige Lochgrenzen: Der kleinste Lochdurchmesser gleich min. 1½ der Materialdicke, d.h in 5 mm dickes Blech sollte das kleinste Loch ca. 8 mm betragen.
    • Ab 10 mm (Grenzen sind abhängig vom Plasma Cutter) gilt Faktor 1¼.
    • Ab 20 mm Materialdicke gilt Faktor 1, d.h. ein Loch mit einem Durchmesser von 20 mm in 20 mm dicken Baustahl sollte kein Problem für den Plasmaschneider sein.
    • Erzielbare Höchstleistungen aktueller Lochgrenzen - sofern man über den geeigneten Plasmabrenner UND die geeignete Führungsmaschine verfügt: Lochdurchmesser ab 6 mm Blechdicke Faktor 1 und zum Teil noch besser. D.h. ein 6 mm Loch in 6 mm Baustahl ist für gute Plasma Cutter und Schneidanlagen modernster Bauart möglich. Diese Angaben beziehen sich immer auf Normalstahl. Bei Edelstahl sind die meisten Plasmabrenner noch nicht so weit.
  • Innenecken und Innenradien sind bei neusten Qualitätsplasmabrennern und Hochleistungsportalen heute ein geringeres Problem, solange man Normalstahl / Baustahl / Schwarzmaterial schneidet.
  • Die typische Kerbe im Schnittbild.
  • Grat und Schlackereste treten bei Normalplasmabrenner stärker auf, als bei modernen Qualitätsplasmabrennern

Warum bleibt die Schnittgenauigkeit und die Schnittqualität nicht konstant?

Die Genauigkeit beim Plasmaverfahren darf niemals so verstanden werden, wie bei einem Laser oder einem mechanischen Bearbeitungsprozess. Die erzielbare Genauigkeit ist keine feste Eigenschaft des Verfahrens, sondern hängt von Bauteil, Geometrie, Material, Maschine und Prozessbedingungen ab.  

Beispiel:
Eine rechteckige Figur mit den Abmessungen von 250 x 750 mm mit einigen Ecken und Ausbrüchen in 10 mm Normalstahl stellt für Qualitätsplasma im Normalfall keine große Herausforderung dar. Das Teil sollte mit ± 0,3 mm sauber und gratfrei erzeugt werden können, wenn alle Parameter optimal eingestellt sind.

Aber: Erhält das gleiche Teil beispielsweise eine Vielzahl an Bohrungen und einen oder mehrere große Ausschnitte und schon wird eine Aussage über die Genauigkeit weitaus schwieriger. Denn: Durch die vielen Ausschnitte wird eine nicht geringe Menge an Wärmeenergie in das Material eingebracht, das Material dehnt sich aus und die Zehntel "wandern" nur so dahin. Das, was vorher gut passte, ist anschließend statt ± 0,3 mm, nun ± 0,4 mm oder mehr "weggelaufen". Doch selbst wenn es einem guten Bediener gelänge, die Außenkontur durch entsprechende Schnittspaltkorrekturen und Wegoptimierung auf Kurs ± 0,2 mm zu halten, so sind die Abstände der Innenkonturen zueinander und die Bohrungsdurchmesser und die Ausschnitte etc. unter Umständen weit weg vom ursprünglichen Ziel.

  • Je komplizierter ein Plasmateil bzw. seine Geometrie wird, desto schwieriger ist es, seine konstante Genauigkeit vorher zu sagen.   
  • Die DIN EN ISO 9013 (alt DIN2310) gibt Aufschluss über die erzielbaren Genauigkeitsklassen.
  • Ändert die Maschine bestimmte Prozessparameter, wie den Abstand zum Bauteil, ändert sich auch die Genauigkeit. Sie kann noch in der zulässigen Toleranz liegen, sie kann aber auch aus ihr heraus fallen.
  • Die Genauigkeit ist nicht konstant, sie ist nicht determiniert! Mit zunehmender Schneiddauer verändert sich der Düsendurchmesser durch den entstandenen Abbrand in der Düse und somit auch die Konturgenauigkeit. Das erste Teil einer Charge hat andere Genauigkeitswerte als das 100., 200. oder 1.000. Teil.
  • Die Genauigkeit kann je nach Geometrie und Lage des zu schneidenden Teils im Blech schwanken
  • Spricht man über eine "hohe" Genauigkeit beim Plasmazuschnitt dann darf diese nicht mit der des Laser- oder Wasserstrahlverfahrens verwechselt oder gleichgesetzt werden.  
  • Bohrungen und Ausschnitte im Innenteil des Zuschnitts beeinflussen die Genauigkeit des gesamten Konturteils durch zusätzliche Wärmeeinbringung. —

10 Tipps, wie Sie die Genauigkeit beim Plasma verbessern

  1. Die Genauigkeit des Plasmazuschnitts steigt bei Verwendung einer modernen Plasmastromquelle mit Mehrgastechnik und eingeschnürtem Plasmastrahl.
  2. Die Genauigkeit des Plasmazuschnitts steigt, wenn das Material mit einer kleineres Stromstärke und damit mit einer geringeren Schnittgeschwindigkeit geschnitten wird.
  3. Die Schnittgenauigkeit beim Plasmaschneiden nimmt zu, wenn frische Verschleißteile verwendet werden.
  4. Um maximale Ergebnisse zu erhalten, empfiehlt es sich, die Original-Verschleißteile des jeweiligen Herstellers einzusetzen.
  5. Die Schneidgenauigkeit wird erhöht, wenn alle Prozessparameter optimal eingestellt sind.
  6. Steigt die Erfahrung des Maschinenbedieners, verbessern sich auch die Ergebnisse.
  7. Besitzt die Schneidmaschine gute dynamische Eigenschaften, eine geringe Neigung zu Schwingungen, eine gute Regelung und Antriebstechnik so werden die Schnitte generell maßhaltiger.
  8. Auf homogenes Vormaterial achten:
    • die Materialtemperatur beeinflusst die Genauigkeit
    • die Materialzusammensetzung der Legierungsbestandteile hat Einfluss auf die Schnittqualität: Ein höherer Siliziumgehalt im Stahl führt zu vermehrter Gratbildung, auch wenn S253 oder S355 drauf steht - die Chargen und die Bezugsquellen unterscheiden sich stark voneinander.
  9. Öfters Proben der Zuschnitte entnehmen und nachmessen und die  Schnittfugenkompensation an der CNC gegebenenfalls nachjustieren, so dass die Maschine wieder möglichst nah an die Sollvorgaben heran kommt.
  10. Regelmäßige Wartung der Schneidanlage, Sauberkeit und Gründlichkeit im Umgang.

Wie Sie die Schnittqualität der Plasmazuschnitte deutlich erhöhen können

In dem folgenden Abschnitt finden Sie eine Reihe wertvoller Tipps und Hilfen, die wir aus unserer Beratungspraxis erarbeitet haben. Zum Lesen ist eine kostenlose Registrierung erforderlich. Zu folgenden Themen finden Sie hilfreiche Erklärungen:

  1. Nachlaufeffekt beim Plasma verbessern
  2. Kerbe im Schnittbild optimieren
  3. Auswahlkriterien für die Höhenregelung
  4. Geheimnis der Lichtbogenspannung entschlüsseln
  5. Richtige Zündhöhe beim Lochstechen
  6. Schräge Schnittkante optimieren
  7. Aufhärtung im Material reduzieren  
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Fachwissen aus der Beratungspraxis

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