Experten-Check: 3 Dinge, die Sie heute über Plasma-Sicherheit wissen müssen

1. Sicherheit des Maschinenpersonals erfordert die Einhaltung der Mindestanforderung, wie einer passenden PSA und dem richtigen Verhalten

2. Sicherheit des Umfelds erfordert bauliche Massnahmen

3. Sicherheit der Infrastruktur, Halle, Umwelt erfordert weitere technische Geräte und deren Überwachung

Auf diese Punkte gehen wir im folgenden Abschnitt ein.

Arbeitsschutz beim Plasmabrennen: So schützen Sie Ihre Mitarbeiter

Gasbündel, Gasflaschen müssen vor Sturz geschützt sein
Gasbündel in sicherer Station geschützt

Plasmaschneiden ist ein elektrischer Prozess, der gewisse Sicherheitsanforderungen stellt, wie bei elektrischen Anlagen grundsätzlich erforderlich. Wie hoch der Aufwand zum Plasmaschneiden ist, hängt von der Anwendung ab.

Grundsätzlich ist Plasmaschneiden ein relativ ungefährlicher Prozess, wenn alle Sicherheitsaspekte berücksichtigt worden sind.

  • Schutz vor Stromschlag
  • Atemschutz bzw. gute Belüftung und Absaugung mit Filterung, wegen Feinstaub und Ozon O3
  • Alveolengängige Stäube mit Partikelgrößen unter 0,1 µm, besonders beim Schneiden von Chrom-Nickel-Stählen
  • Gehörschutz
  • UV-Schutz
  • Herzschrittmacher aus Reichweite
  • Funkenflug, Brandgefahr
  • Herum spritzendes flüssiges Metall beim Lochstechen
  • Sicherer Umgang mit Gasen und Gasflaschen (siehe Bild)
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Luftreinhaltung: Risiken durch Ozon (O3) und Feinstaub minimieren

Durch Ionisation des Plasmagases und seiner anschließenden elektrischen Entladung entsteht Ozon. Ozon ist ein Gas, dass der Mensch über die Lunge gut aufnimmt. Ozon wird als "frischer" Geruch wahrgenommen, erzeugt aber Schwindelgefühl im Kopf. Es zerfällt im Körper nach kurzer Zeit von allein und verflüchtigt sich auch im Betrieb. Beim Plasmaschneiden muss für genügend Frischluft bzw. für eine geeignete Filteranlage gesorgt werden. Ozon gilt als keimtötendes Desinfektionsmittel und kann daher zu einer Reizung der Atemwege führen und Allergien auslösen.

Feinstaub ist hingegen in der Tat ein Problem beim Plasmaschneiden. 99% des erzeugten Staubes hat eine Teilchengröße < 1 µm. Durch den Zuschnitt besitzt  Feinstaub eine hohe Energie: Das Plasmagas wird mit 8 bar und mehr durch die Plasmadüse eingeblasen. Der Plasmastrom unterhalb der Blechtafel besitzt eine hohe kinetische Energie durch den Druck und auch durch die thermische Energie des Schmelzens bzw. der Sublimation. Denn beide physikalischen Übergangsprozesse treten beim Plasmaschneiden auf.
Um diese Art von Feinstaub zu erfassen, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die wir in unserem Kapitel über Filtertechnik und Brenntische ausführlich beschreiben. Der Feinstaub schlägt sich auch in der Schneidhalle nieder und kann empfindliche Maschinen im Betrieb erheblich durch Verschmutzung stören. Plasmaschneidanlagen sind meistens sehr gut abgeschirmt gegen diesen feinen Metallstaub und lassen sich im Betrieb nicht aus der Ruhe bringen, wenn es mal dreckig wird. Sollten hingegen häufig Lagerschäden entstehen, so muss dies nicht unbedingt eine Folge des Staubes sein, auch andere Gründe sind möglich.

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Augenschutz: UV-Strahlung bei 30.000 K sicher beherrschen

Ist ein Schweißhelm für Plasmaschneiden Pflicht? Dies muss differenziert werden:

  • Beim Handplasmaschneiden raten wir in jedem Fall dazu, einen für Plasma geeigneten Schutzhelm oder Schutzbrille zu tragen, er ist Pflicht.
  • Beim CNC-Plasmaschneiden auf einer Portalschneidanlage sieht die Sache anders aus, denn der eigentliche Schneidprozess erfolgt durch die CNC, nicht durch den Bediener. Das Betrachten des Plasmalichtbogens ist schlicht nicht möglich. Bei Maschinenbrennern übernimmt die CNC die korrekte Höheneinstellung des Brenners. Manuelle Einstellungen sind hier nur in seltenen Spezialanwendungen der Fall, eher die Ausnahme. Sobald der Bediener in den Lichtbogen schauen muss, wird er eine Brille oder eine Sicherheitsscheibe mit entsprechender Dämpfung verwenden. Aber wirklich erkennen wird er trotzdem nicht viel, weil man aufgrund der hohen Intensität und Temperatur von über 30.000 K nicht viel sieht, da ändert auch der Helm nichts daran. Statt dessen behindert der Helm die Sicherheit in der Benutzung der CNC-Schneidanlage, wenn man Daten nicht mehr lesen kann oder einen Crash nicht rechtzeitig erkennt, weil man ein dunkles Sichtfeld hat, dann ist ein Schweißhelm an einer CNC-Schneidanlage eher kontraproduktiv. Außerdem ist das Regeln des Abstands zwischen Düse und Schneidgut manuell per Auge unmöglich, denn der Abstand muss im Zehntel Millimeterbereich bei hohen Schnittgeschwindigkeiten konstant nachgeführt werden - das ist manuell gar nicht machbar.
  • Empfehlenswert ist eine UV-Schutzbrille, die den Bediener vor parasitären UV-Strahlen schützt.

Bezüglich der Schnittqualität schauen Maschinenbediener schon mal nach dem Funkenflug, welcher durch den Lichtbogen entsteht, um daraus die korrekte Schnittgeschwindigkeit abzuleiten - doch auch hier vermeidet der Bediener das direkte Einsehen in den Lichtbogen und schaut eher in die Umgebung vor oder hinter dem Lichtbogen und nur für einen kurzen Augenblick. Hier kann die Schutzbrille oder das Schutzglas hilfreich sein. Generell kommen verblitzte Augen beim CNC-Plasmaschneiden seltener vor - auch wenn man dies generell nicht ausschließen kann.

Bedenken Sie auch, wie einfach und unkompliziert Plasmaschneidanlagen auf Messen vorgeführt werden - ohne Schutzglas, ohne Schutzbrille bewundern mehrere 10.000 Besucher diesen Schneidprozess alljährlich und dies bei höchsten Sicherheitsanforderungen der Messeveranstalter. Um vor Funkenflug zu schützen wird schon mal eine durchsichtige Plexiglasscheibe an der Maschine montiert, aber das war es dann auch.   

Dies kennt man in der Praxis beim Schweißen so nicht, hier kann man sich bereits als Besucher im Vorbeigehen die Augen verblitzen und auf Messen werden die Schweißvorführungen in gut abgeschirmten Kabinen präsentiert, damit Messebesucher nicht geschädigt werden.

Muss der Plasmaschneidtisch eingehaust werden?

Fühler-Taster als Schutz vor Zusammenstoß auf der Längsführung
Fühler-Taster als Schutz vor Zusammenstoß auf der Längsführung

Wird der Plasmabrenner an einer stationären Portalschneidanlage betrieben, so sind weitere Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

  1. Eine Einhausung, wie man sie bei Laserschneidanlagen kennt, ist bei Plasma nicht vorgeschrieben.
  2. Im Einzelfall haben wir bereits Einhausungen empfohlen, wenn der interne Logistik dies erlaubt. So waren in einem speziellen Fall dicke Edelstahlplatten mit Größen um 12.000 mm x 2.400 mm und einer Dicke von bis 40 mm mit Plasma zu schneiden und zu fasen. Das Fasen am Rand der Tafeln führte zu einem extremen Funkenflug quer durch die Halle. Die nitrosen, schädlichen Gase beim Schneiden von Edelstahl konnten nur mit einer Einhausung effektiv evakuiert werden und die hohe Auslastung durch das Projekt erforderte einen Wechseltisch. Damit war ein Sonderfall geschaffen worden, in dem sich die Einhausung anbot und auch lohnte.
  3. Erforderlich für eine CNC-Plasmaschneidanlage ist immer eine Absicherung der Portalbrücke gegen unbeabsichtigtes Berühren:
    1. Hierzu dient der klassische Seilzug-Notschalter an der Vor- und Rückseite der Portalbrücke, die den Maschinenbediener vor Überfahren schützt, falls er auf dem Brenntisch Teile entnimmt und die Brücke sich in Bewegung setzen sollte,
    2. optional Fühler-Grenztaster an den Konsolen der Portalbrücke in Längsrichtung, wenn es sich um eine modular aufgebaute Schneidanlage mit Eisenbahnschienen handelt (siehe Bild) und der Bediener seinen Fuss auf der Laufschiene absetzt
    3. oder eine Sicherheitslichtschranke für die Absicherung der Portalbrücke anstelle der Seilzug-Notschalter.
  4. Der Filterbetrieb wird ebenso mit überwacht, um einen einwandfreien Betrieb der Absaugung sicher zu stellen.
  5. Die Plasmatromquelle besitzt in der Regel ebenfalls eine Überwachung, um vor unbeabsichtigtem Stromschlag zu schützen.
  6. Mechanische Abschottung, Abschrankung der Gasgehälter vor Sturz und Zusammenstoß.
  7. Sicherheitsabstände der Anlage zu Wegen und Rangierbereichen.
  8. Erstellung der elektrischen und gastechnische Versorgungsstationen nach geltenden Regeln.
  9. Sicherheitskennzeichnung für das Personal
  10. Gehörschutz, da Plasmaschneidbrenner sehr laut sein können
  11. Sehr gute Erdung der Plasmaschneidanlage und des Schneidtisches nach Herstellervorgabe
  12. Schutzzäune und Sicherheitsabsperrungen müssen mit einem Notausschalter überwacht werden.
  13. Natürlich alle Notaus-Elemente der Maschine selber, sowie die Endschalter in den Endlagen.

Der Hersteller weiß, welche Maßnahmen für seine Anlage erforderlich sind, da er die Anlage mit einem CE-Kennzeichen ausstatten und dafür haften muss, sorgt er normalerweise auch dafür, dass alle Komponenten ordentlich gesichert sind. Alle Sicherheitsaggregate werden zusätzlich von einem Sicherheits-Notaus-Relais überwacht.

Und dies ist nun ein ganz anderes Thema: Importierte Billigmaschinen, hier kann es sein, dass an der aufwendigen aber erforderlichen Sicherheitstechnik gespart wird. Darum raten wir zur Vorsicht bei Billigimporten aus dubiosen Quellen. Hier muss der Betreiber sicher stellen, dass seine Anlage alle erforderlichen Sicherheitsmassnahmen einhält.

Hersteller der Schneidbranche

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Lärmschutz und Ergonomie am Schneidarbeitsplatz

Lärm kann beim Plasmaschneiden sehr unangenehm werden, wir haben Messungen mit über 115 dB(A) durchgeführt. Das tut weh. Daher ist das Tragen von Gehörschutz unbedingt Pflicht.

Um den Lärmpegel anzusenken, haben Hersteller spezielle Silient-Cut-Plasmaanlagen entwickelt, die den Lärmpegel angenehm absenken können.

Eine weitere Maßnahme zur Lärmreduktion besteht darin, in oder auf Wasser zu schneiden. Hierfür gibt es spezielle Wasserschneidtische.

Während die Plasma-Lichtbogenstrahlung spezifisch geschützt werden muss, gelten für die Absaugtechnik und den Gehörschutz die übergreifenden Standards der allgemeinen Maschinensicherheit in der Schneidtechnik.

Sicherer Umgang mit Gasen: Von der Flasche bis zum Tank

Sicherheit: Abgesperrter Bereich für Gastank
Bild: Abgesperrter Gastank, wobei zum Plasmaschneiden häufig Einzelflaschen oder Bündel eingesetzt werden und für den Bedarf meistens für mehrere Tage ausreichend sind.

Beim Schneiden mit Plasma insbesondere beim Lochstechen sprüht das flüssige Metall in Form eines Funkenregens in die Halle. Sowohl Personen als auch Gase und andere Energiequellen müssen vor dem Funkenregen geschützt werden, was häufig durch ausreichende Sicherheistsabstände realisiert wird.

Natürlich sollten sich im Arbeitsbereich der Schneidanlage keine brennbaren Stoffe, Lacke, Lösungsmittel etc. befinden.

Gastanks werden in der Regel außerhalb der Halle positioniert und vor unberechtigtem Zutritt mindestens durch einen Zaum geschützt, siehe Bild. Die Gaszufuhr erfolgt über feste Leitungsverlegung.

Flaschenbündel und einzelne Gasbehälter sind gegen unbeabsichtigtes Stürzen zu schützen und auch vor Crash mit dem Stapler oder dem Kran so aufzustellen, dass ein ausreichender Schutz gewährleistet ist.

In jedem Fall sind die Anleitungen des Maschinenherstellers zu beachten, die ein umfangreiches Sicherheitsmaterial mit der Anlage ausliefern. Je nach jeweiligen Maschinentypen können sich die Anforderungen unterscheiden.

Schutzausrüstung: Wie sieht eine PSA aus?

  • Gehör- und geeigneter Augenschutz gegen UV-Strahlung
  • Hand- und Sicherheitsschuhe
  • Sicherheitskleidung

Die sekundäre aber ebenso wichtige weitere Sicherheitsausstattung umfasst, wie zuvor beschrieben:

  • Erdung des Systems
  • Absaugung der Plasmastäube und Plasmadämpfe
  • Keine Herzschrittmacher in der Nähe
  • Sicherung gegen Brandgefahr
  • Sicherung gegen elektrischen Schlag

Und leider oft vergessen: Eine umfangreiche Ausbildung und Sicherheitsanleitung des Bedienpersonals

Foto-Galerie der Anbieter

Unsere Unternehmen stellen vor:

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Checkliste: Anforderungen an eine neutrale Gefährdungsbeurteilung

  • Wie sieht Ihre PSA aus, entspricht sie den Sicherheitsanforderungen?
  • Wie groß ist Ihre Halle - können Sie die notwendigen Sicherheitsabstände einhalten?
  • Intralogistik: Beschicken, Abräumen, Wartung der Plasmaanlage, Reinigen der Brenntische?
  • Funktionieren Ihre Notaussysteme? Wann wurden sie zuletzt kontrolliert und protokolliert?

Wenn Sie nicht sicher sind, können Sie bei uns Rat einholen. Nehmen Sie hierzu Kontakt mit uns auf.

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Unternehmen der Schneidbranche stellen sich vor:

Die Plasmaschneiden-Matrix

Nicht das passende Verfahren? Wenn Plasma nicht optimal für Ihre Materialstärke oder Präzision ist, finden Sie hier die Alternative:

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