Was ist der optimale Schneidprozess?

Tipps für die Auswahl des Schneidverfahrens

Was ist das "optimale" Schneidverfahren?

Bevor man eine eindeutige Antwort erwartet, gilt es zu klären, was man unter dem Begriff des "Optimalen" versteht? Und je nach Schneidaufgabe eignet sich ein bestimmtes Verfahren mehr oder weniger gut. 

Kein Verfahren, egal ob Plasmaschneiden, Brennschneiden, Laserschneiden oder Wasserstrahlschneiden kann als einzig Richtiges oder Optimales bezeichnet werden, sondern alle Schneidverfahren haben ihre Berechtigungen, ihre speziellen Einsatzgebiete, Stärken und Schwächen, Vor- und Nachteile und individuelle Kostenstrukturen.

Es kommt immer auf den Einsatzfall an.

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Die richtige Auswahl beginnt mit der Schneidaufgabe

  • Welches Material ist zu schneiden?
  • Welche Materialdicken sollen geschnitten werden?
  • Ist die Geometrieanforderung an den Zuschnitt hoch? Wie klein sind die kleinsten Teile, bzw. wie groß das Größte?
    Wie filigran sind die Zuschnitte und wie viele Löcher / Ausschnitte können sie enthalten?
  • Wie hoch ist der geforderte Durchsatz, d.h. wie viele Teile sind pro Schicht zu schneiden?
    Schafft das Schneidverfahren diese geforderte Tonnage in der zur Verfügung stehenden Zeit?

Was ist ein "ungeeigenter" Schneidprozess?

Als "ungeeignet" würden wir einen Schneidprozess bezeichnen, wenn er nicht optimal zur gestellten Aufgabe passt.

Beispielsweise, wenn mit dem Wasserstrahl ein Stück Baustahl mit 150 mm Dicke getrennt werden soll. Technisch machbar ist das. Aber wirtschaftlich sinnvoll bleibt fraglich. Hier wäre der Brennschneider das Werkzeug der ersten Wahl, wenn nicht andere Argumente dagegen sprechen, beispielsweise wenn ein Schnitt ohne thermischen Einfluss gewünscht wird. Dies sollte bei Baustahl jedoch die Ausnahme sein.

Oder man schneidet mit einem 6 kW Faserlaser ein 30 mm dickes Blech, was wesentlich günstiger mit einem Plasmabrenner umzusetzen wäre. Doch auch hier kann es Gründe geben, beispielsweise  wenn eine filigrane Kontur oder eine hohe Maßhaltigkeit gefordert sind, die dann tatsächlich für den Laserschnitt sprechen würden - doch auch dies bliebe die Ausnahme.

Mit einem falschen oder besser gesagt, einem ungünstigen Schneidverfahren sind die Verfahren gemeint, die man wider besseren Wissens für eine Aufgabe einsetzt, die von einem anderen Schneidverfahren wesentlich wirtschaftlicher, genauer oder einfacher ausgeführt werden könnte.

Welche Anforderungen stellt der Schnitt?

  • Welche Qualität soll bzw. muss erreicht werden? Dabei gilt es, die Qualitätsschnitte bzw. die Qualitätsstufen zu unterscheiden.
  • Entspricht die Genauigkeit gemäß der ISO 9013 der Zuschnittte der gewünschten Anforderung?
  • Ist der thermische Einfluss, die Gefügeveränderung im Material akzetabel?
  • Ist die Schweißbarkeit der Zuschnitte gewährleistet?
  • Entspricht die Aufhärtung des Materials der erforderlichen ISO 1090 Execution Classes?
  • Erfordert die Materialgüte bestimmte Behandlungsregeln?
  • Wie sieht die geforderte Nachbehandlungen des Zuschnitts aus, soll lackiert, Pulver beschichtet oder verzinkt werden?

Welche technischen Rahmenbedingungen sind zu berücksichtigen?

  • Welche Stellfläche erfordert die geplante Schneidanlage?
  • Erfüllen wir alle Anforderungen an Fundament, Logistik, Energien?
  • Wie groß sollte der maximale Schneidbereich sein?
  • Wie hoch ist typischerweise die Auslastung und die Verfügbarkeit des geplanten Schneidverfahrens?
  • Welche Anforderungen stellt das Schneidverfahren an das Personal, die Abläufe, das Vormaterial, die Infrastruktur: Halle, Flurwege, Temperatur und Luftfeuchte, Sicherheitsabstände, Engergiequalität, Filtersystem, Beschickung sowie Abrräumen, Maschinenwartung und -reinigung; Arbeitsvorbereitung: CAD/CAM, Postprozess.

Welche wirtschaftlichen Kriterien spielen eine Rolle?

  • Investitionskosten
  • Erhaltungs- und Wartungskosten
  • Laufende Betriebskosten
  • Sind Nachbearbeitungskosten der Zuschnitte erforderlich? Wenn ja, welche Kosten, welcher Aufwand ist damit verbunden?
  • Auslastung der Anlage, Durchsatz, d.h. wie viele Teile sind pro Schicht zu schneiden? Schafft das Schneidverfahren diese Tonnage in der zur Verfügung stehenden Zeit?
  • Zukunftsausblick: Sind weitere Aufträge buchbar? Was wird vom Markt gefragt? Was hat mehr Potential?

Unser Schnittkostenrechner zeigt Ihnen die Schneidkosten für einen Meter Schneidlänge im Vergleich der vier Schneidverfahren an.

So treffen Sie eine fundierte Auswahl

  • Alle Anforderungen systematisch erfassen z.B. in einer Excel-Tabelle
  • Dazu erforderlich: Umfangreiche Analyse des Istzustandes
  • Alle Anforderungen gewichten, denn nicht jede Anforderung besitzt den gleichen Wert für Ihre Entscheidung, daher ist eine Gewichtung unablässig
  • Angebote einholen und Vergleichen im Schnellkonfigurator oder wenn Sie bereits tiefer im Entscheidungsprozess stehen, dann über eine Expertenausschreibung
  • Lastenheft erstellen
  • gegebenenfalls externen neutralen Fachberater hinzuziehen

Schnelle Auswahlhilfe des Schneidverfahrens über seinen Einsatzbereich

Jedes Trennverfahren besitzt bestimmte Einsatzbereiche, in denen es besonders vorteilhaft aufgestellt ist. Hier stellen wir eine Auswahlhilfe auf der Basis der Materialien und der Blechstärken vor, die quasi als KO-Kriterium fungieren:

Plasma:

  • Max. von 160 mm dickem Edelstahl
  • Max. von 160 mm dickem Aluminium
  • Wenn es besonders wirtschaftlich sein soll, wird Plasma häufig im Blechbereich für Normalstahl von ca. 20 / 25 mm bis 50 mm eingesetzt
  • Stand 2026: Ein taiwanischer Hersteller wirbt mit einer 1.000 A Plasmastromquelle für den Schneidbereich bis 200 mm Dicke - dies würde im Augenblick den Rekord für Plasma bedeuten!

Autogen:

  • Max. von 5 mm bis 1.500 mm dickem Stahl
  • Wenn es besonders wirtschaftlich sein soll, Baustahl ab 40 / 50 mm Dicke.

Wasserstrahl:

  • Von bis zu 200 / 300 mm Legierungen, Alu etc.
  • Wenn der Schnitt verzugsfrei, nachbearbeitungsfrei und ohne Aufhärtung erfolgen soll 
  • Wenn keine Gefügeveränderungen erlaubt sind
  • Wenn die Genauigkeit gefordert wird
  • Wenn es sich um Microbearbeitung kleinster Teile im µ-Meter Bereich handelt
  • Wenn Verbundstoffe, Kunstoff, Glas, Stein, Granit, Lebensmittel etc. geschnitten werden sollen

Laser

  • Von Dünnblech, wenn es extrem schnell und nachbearbeitungsarm sein soll oder besonders genau
  • Von Mittelblechformaten, wenn es besonders genau sein soll
  • Mit dem Faserlaser von Stahl, Edelstahl bis 50 mm, wirtschaftlich eher bis 25 / 30 mm (Stand 2026)
  • Von Teilen ohne Oberflächenbeschädigung, kratzerfreie Sichtflächen
  • Wenn Mikroanwendungen im µ-Meter Bereich erforderlich sind
  • Wenn die Genauigkeit es erfordert
  • Falls andere Stoffe als Stahl geschnitten werden sollen, wie Papier, Stoffe, Glas, Holz, Verbundstoffe: CO2-Laser

Erodiermaschinen, Drahterodieranlagen

  • Fairerweise sind im Werkzeugbau Erodiermaschinen das Werkzeug der Wahl, wenn es darum geht, beispielsweise einen Stahlklotz aus hochwertigem Werkzeugstahl mit einer Dicke von 200 mm mykrometergenau für ein Presswerkzeug anzufertigen. Drahterodieren ist bei diesen Aufgaben in der Werkzeugbranche das häufig bevorzugte Schneidsystem. Doch ob dies in der Zukunft so bleibt oder die Mikroschneidanlagen diesen Part in Zukunft übernehmen werden, wird der Markt entscheiden.

Sägeanlagen

  • Klassische Sägeanlagen für alle Arten des Ablängens von Profilen, Stangen, Rohren, Coils etc. wobei die Anforderungen an derartige Schnitte in der Regel anders sind, als dies bei Portalschneidmaschinen der Fall ist, denn freie Konturen und beliebige Geometrien lassen sich nach unserem gegenwertigem Kenntnisstand mit diesem Schneidverfahren nicht in adäquater Art und Weise zu denselben Bedingungen und Kosten herstellen. Daher hat das Sägeverfahren nach wie vor seine Berechtigung dort, wo es seine Stärken gegenüber den anderen Schneidverfahren ausspielen kann.

Tabellarische Übersicht, Gegenüberstellung der vier Schneidverfahren

Alle Angaben ohne Gewähr! Werte abhängig von Typ, Modell, Schneidanlage, Werkstoff, Umgebungsbedingungen, technischen Entwicklungen und Erfahrungen des Anwenders. Zu konkreten Werten fragen Sie Ihre Hersteller und Lieferanten. Wert der Noten, parallel zu Schulnoten: 1= sehr gut ... 5 = Mangelhaft.

Tabellarische Gegenüberstellung der Schneidverfahren von Plasma-, Autogen-, Laser- und Wasserstrahlschneiden
Tabelle 2: (Stand 2026) Tabellarische Gegenüberstellung der Schneidverfahren

Erklärung zur Tabelle der Schnitteigenschaften in der Gegenüberstellung

Sie finden hier eine tabellarische Auflistung mit den groben Schneidmerkmalen und den Grenzen der Schneidverfahren in der Gegenüberstellung. Diese Tabelle liefert Eckdaten zu den Schneidverfahren Plasma-, Autogen-, Laser- und Wasserstrahlschneiden, mit deren Hilfe man eine Übersicht der Schneidverfahren erhält.

Als mögliches Kriterium zur Auswahl des passenden Schneidverfahrens eignet sich auch ein Blick in den Schnittkostenkalkulator. Der Kalkulator zeigt die Schnittmeterkosten pro Meter für eine spezielle Materialgüte und basiert auf Schneidtabellen und empirischen Werten. Wobei er nur zur Verfahrensübersicht dient und keine Marktdaten angibt.

Grundsätzlich können in einer universellen Tabelle Bauteil bezogene Randbedingungen wie Aufhärtung, Wärmeverzug, Schnittgenauigkeit, Rauheit, Universalität, Nachbearbeitungsaufwand etc. nicht hinreichend erfasst werden. Will man diese Parameter mit berücksichtigen, so ist dies nur an konkreten Zuschnitten mit exakten Geometrieangaben möglich. Für eine hinreichende Verfahrensbestimmung empfehlen wir daher, eigene Testmusterschnitte bei Ihren Herstellern durchzuführen und die Daten und Leistungen an einem konkreten Bauteil zu erfassen.

Generell betrachten wir den Einsatz derartiger tabellarischer Vergleiche nur als grobe Hilfe. Tabellen dieser Art stellen immer einen Kompromiss dar, denn die Realität kann nicht mit einer Zeile abgebildet werden. Hierzu ein Beispiel: Grat der Verfahren! Wie will man den Grat exakt und neutral bewerten? Brennschneiden schlecht - Laser gut? Das würde der Realität kaum gerecht werden. Der Laser schneidet derart gut und scharfkantig, dass nicht selten Teile abgerundet werden müssen, was auch Zeit kostet. Der Autogenbrenner schneidet, wenn er top eingestellt ist, häufig Teile nachbearbeitungsarm, ein wenig Schlacke entfernen empfindet ein typischer Brennschneider sogar als nachbearbeitungsfrei.

Persönliche Empfindungen, individuelles Schmerzempfinden,  Anspruchsdenken und entwicklungstechnische Neuheuten lassen sich in einer fixen Tabelle nicht abbilden, sie sind immer ein zeitlicher Snapshoot. Was für den einen Anwender ein gratfreies Bauteil bedeutet, stellt für den anderen eine mittlere Katastrophe dar. Darüber hinaus gibt es unzählig viele Sonderfälle, in denen eine Einteilung nicht zutrifft, abhängig von der Kontur, der Materialgüte, der Bedienererfahrung etc. Betrachten Sie daher die Angaben in einer Tabelle als einen Versuch, eine grobe Übersicht zu vermitteln, die sich in Abhängigkeit der technischen Entwicklung, des Werkstoffs und der Kontur ändert. Nichts ist aussagekräftiger, als der reale Schnitte mit realen Bauteilen und dem eigenen Materialsortiment.

Hinweis: Diese Tabelle dient als Überblick über die Eckdaten der Schneidverfahren in Relation zueinander und ist ohne Gewähr. Die tatsächlichen Werte können in der Realität von diesen Zahlen abweichen, da diese von weitaus mehr Parametern abhängig sind, die auftragsspezifisch, firmen- und entwicklungsabhängig sind. Die Tabelle ersetzt keine individuelle Beratung mit Ihren Lieferanten.