DIN EN ISO9013 - die Genauigkeitsnorm für Zuschnittbetriebe leicht verständlich erklärt

Die ISO Norm 9013 besitzt für die Beurteilung eines Schnittes hohe Aussagekraft. Leider sind manche Fakten in ihr nicht ganz so klar definiert, wie es noch in der alten DIN 2310 der Fall war, wissen manche Anwender zu berichten. Daher haben wir uns vorgenommen, bestimmte Aspekte daraus zu erklären und praxisgerecht zu beschreiben. Im Forum können Sie uns Ihre eigenen Erfahrungen posten oder sich an anderen Themen beteiligen und lernen, wenn Sie sich eingeloggt haben - kostenlos. Die hier zusammengestellten Informationen spiegeln unsere Meinung wider und orientieren sich an der Praxis. Wir freuen uns über Ihre Kommentare, Rückmeldungen, Fragen und Erfahrungen.


Wir bedanken uns beim Beuth-Verlag, der uns diese auszugsweise Veröffentlichung der Tabellen gestattet hat. Die Original-Normtexte sind direkt beim Beuth-Verlag beziehbar, hier der Link zum Beuth-Verlag ...

 


 

EN ISO 9013 - Schnellzugriff mit Erklärungen für Praktiker:

Schritt 1: Welche Bedeutung hat die offizielle Schreibweise, wenn ein Zuschnitt gemäß folgender Symbolik angefordert wird?

 

Synonym für spanende Bearbeitung

 

 

Allgemeine Definition: Erklärung:

  • ① = Angabe der Hauptnummer der Norm, in unserem Fall ISO 9013
  • ② = Angabe der Rechtwinkligkeits- oder Neigungstoleranz u
  • ③ = Angabe der gemittelten Rautiefe RZ5
  • ④ = Angabe der Toleranzklasse

 

Zum Beispiel: ISO 9013-231

Synonym für spanende Bearbeitung ISO 9013

 

Diese Bezeichnung besagt:

  • Das Schneidteil ist gemäß ISO9013 zu liefern und hat dabei folgende Kriterien zu erfüllen:
  • Die erste Zahl - hier Beispiel "2" - steht für die Rechtwinkligkeits- und Neigungstolernaz u
  • Die zweite Zahl - hier Beispiel "3" - steht für die gemittelte Rautiefe RZ5
  • Die dritte Zahl - hier Beispiel "1" - steht für die Toleranzklasse

 

Bedeutung des Beispiels:

Hier wird ein Schnitt gemäß ISO9013 verlangt, der eine Rechtwinkligkeitstoleranz gemäß Klasse 2, eine gemittelten Rautiefe gemäß Klasse 3 und eine Genauigkeit gemäß Klasse 1 besitzen soll.

 

Schritt 2: Welche Bedeutung haben die einzelnen Toleranzklassen?

Wir beginnen mit der Betrachtung der letzten Ziffer - der Angabe der Toleranzklasse.

Diese Kategorie unterteilt sich in lediglich zwei Arten, der Toleranzklasse 1 (Tabelle 1) und der Toleranzklasse 2 (Tabelle 2).

Eine Unterscheidung sollte dabei relativ einfach sein:

  • Klasse 1: Höherwertige Maschinen und Schneidprozesse, wie das Laserschneiden und das Wasserstrahlschneiden erfüllen in den meisten Fällen die Klasse 1 Anforderungen.
  • Klasse 2: Gröbere Schneidverfahren, wie das autogene Brennschneiden oder das Plasmaschneiden zählt man zu den Klasse 2 Verfahren.

Darüber hinaus gibt es noch weitere Einschränkungen die kontur- und dickenabhängig sind.

Ist die Kontur größer als 4.000 mm, so ist sie laut Tabelle nicht mehr definiert. Ebenso fällt die Kontur aus der ISO 9013-Definition, wenn ihr Verhältnis aus Länge zu Breite den Wert 4 zu 1 übersteigt.

Die Norm geht bei einem Streifenschnitt davon aus, das dieser sich bei thermischen Trennverfahren aufgrund der eingebrachten Hitze schnell verziehen kann und dann leicht aus der Toleranz fällt. Deshalb greift in dem Fall, dass ein Teil viermal so lang wie es breit ist, die Norm nicht mehr. Kommt es in solch einem Fall zum Disput zwischen Lohnschneider und Endkunden so erfordert dies eine vorherige Abstimmung der Parteien über das zu erwartende Ergebnis. Die Norm geht davon aus, dass in Anlehnung an diese Tabellen sich die Vertragspartner einigen.

Praxis-Tipp zur Toleranzklasse:

Wenn Ihre Schneidanlage eine sehr gute Dynamik, ein geringes Schwingungsverhalten, ein stabiles Chassis und ein leistungsfähiges Antriebs- und Messsystem besitzt, testen Sie die Grenzwerte Ihres Systems aus. Schneiden Sie ein z.B. 400mm großes Teil in 10 mm Materialdicke und korrigieren Sie die Schnittfugenkompensation passend - eventl. schafft Ihre Anlage sogar die Klasse 1 mit ±0,7 mm Genauigkeit mit einem Feinstrahlplasmaverfahren. Unserer Meinung nach, sollten einige der neueren Schneidanlagen im Markt dazu in der Lage sein. Fragen Sie Ihren Hersteller.

Aber Vorsicht: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer!" Wenn Sie auch in der Lage sind, ein Teil nach Optimierung so exakt zu schneiden, dass Sie die Toleranzklasse 1 erreichen, bedeutet das noch lange nicht, dass die Maschine in der Lage ist, alle möglichen Teile in jeder beliebigen Menge kontinuierlich, so genau zu produzieren. Vergessen Sie nicht, wir reden hier von einem thermischen Schneidverfahren - Plasmaschneiden - Brennschneiden - dabei wird der Düsenabbrand mit jedem Schnittmeter größer, der Schnittspalt wächst, die Genauigkeit schmilzt dahin. Erschwerend bestimmt auch die Geometrie der Schnittkonturen die Genauigkeit: Durch Ausschnitte und Aussparungen wird viel thermische Energie in das Konturteil eingebracht, so dass wir eine thermische Ausdehnung erhalten, die mit einer simplen Schnittfugenkorrektur nicht einfach zu kompensieren ist.

Das Problem "Genauigkeit" wird also wesentlich durch das Schneidverfahren bestimmt, wobei eine dynamische und schwingungsarme Maschine einen hohen Einfluss auf die Gesamtgenauigkeit besitzt. Und in diesem Fall sind die Verfahren Plasmaschneiden und Brennschneiden, wenn es um determinierte und nachhaltige Genauigkeit geht, eindeutig im Nachteil gegenüber dem Wasserstrahlschneiden und dem Laserschneiden.

Erklärungen zu den Toleranzklassen:

Als Nennmaß gilt das Zeichnungsmaß, wobei die Istmaße an den gesäuberten Schnittflächen zu messen sind. Die Grenzabmaße beinhalten nicht die Anteile, die durch Rechtwinkligkeits- und Neigungstoleranz verursacht werden. Als Grenzabmaße nach den hier vorgestellten Tabellen 1 und 2 gelten für Maße ohne Toleranzangaben, wenn auf Zeichnungen oder im Auftragstext auf diese Norm verwiesen wird.

Wichtige Einschränkung:

Die Tabellen gelten für Autogen- und Plasmazuschnitte, wenn deren Seitenverhältnis (Länge zu Breite) nicht größer als 4 zu 1 ist und für eine Schnittlänge im Umfang von mindestens 350mm siehe Klasse 1: ISO 9013 - Tabelle 1 (entspricht der alten DIN 2310 - Klasse A) siehe Klasse 2: ISO 9013 - Tabelle 2 (entspricht der alten DIN 2310 - Klasse B)

 

 

Tabelle 1: ISO9013 - Genauigkeitsklasse 1 für thermische Zuschnitte

Tabelle ISO9013 - Genauigkeitsklasse 1 für thermische Zuschnitte
Tabelle für Genauigkeitsklasse 1 gemäß ISO9013

Tabelle 2: ISO9013 - Genauigkeitsklasse 2 für thermische Zuschnitte

Tabelle ISO9013 - Genauigkeitsklasse 2 für thermische Zuschnitte
Tabelle für Genauigkeitsklasse 2 gemäß ISO9013