Grundlagen des Laserschneidverfahrens, Parameter und Fachbegriffe

Das Instrument "Laser" besitzt eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten und Parametern. Erst moderne CNC-gesteuerter Schneidanlagen ermöglichen die praxisgerechte Steuerung und Justage dieses Werkzeugs. Daher ist das Verständnis der Grundparameter beim Laser von großer Bedeutung, wenn man den Zuschnitt verstehen und beherrschen möchte.

Inhaltsverzeichnis:
Bild 1. Vielfältige Laserteile aus unterschiedlichen Metallen mittels Faserlaser geschnitten.
Bild 1. Vielfältige Laserteile aus unterschiedlichen Metallen mittels Faserlaser geschnitten.

Laserschneiden ist ein präzises thermisches Schneidverfahren, bei dem Materialien wie Metall, Stahl, Kunststoff, Glas oder Holz mit einem Laserstrahl geschnitten werden. Durch die hohe Energie des Laserstrahls wird das Material in der Schnittfuge geschmolzen und durch das Lasergas ausgeblasen.  

Das Schneiden mit dem Laser bietet viele Vorteile wie geringe Wärmebelastung, hohe Präzision, wenig bis keine Nachbearbeitung und die Fähigkeit, komplexe Formen mit hoher Qualität und hoher Schnittgeschwindigkeit zu erzeugen. Es wird in verschiedenen Branchen wie der Automobilindustrie, Elektronikfertigung, Schmuckherstellung und Blechverarbeitung eingesetzt.

Der Laserstrahl kann individuell in Stärke und Wellenlänge angepasst werden, um optimale Resultate in der Bearbeitung fertiger Produkte bei geringer Nachbearbeitung zu erzielen.

Grundlagen des Laserschneidens, wie funktioniert der Laser?

Was bedeutet der Begriff "LASER"?

Gelasertes Fahrrad mit CO2-Laser, extrem filigrane Konturen aus Edelstahl 1.4301
Bild 1: Gelasertes Fahrrad mit CO2-Laser aus Edelstahl 1.4301

Das Kunstwort „LASER“ steht als Abkürzung für „Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation“. Übersetzen lässt es sich mit: „Licht-Verstärkung durch stimulierte Emission von Strahlung“. Eine andere Übersetzung lautet „Licht angeregter Strahlung, emittierender Resonator“, die zwar ein wenig hölzern klingt, jedoch den Vorteil besitzt als Abkürzung ebenso dem Begriff Laser zu entsprechen.

Was ist der Unterschied zwischen Laser-Licht und Normal-Licht?

Aus der Natur bekannt sind uns die thermischen Lichtquellen, allen voran die Sonne oder auch die Glühlampe. Thermische Lichtquellen breiten sich konzentrisch aus, die emittierten Wellen verlaufen radial zum Zentrum der Strahlungsquelle und unterscheiden sich damit wesentlich von der Wellenform eines Lasers, die eher durch einen axialen Verlauf beschrieben werden kann und genau dies zeichnet den Laser aus.

Was sind die wichtigen Begriffe und Parameter?

  • cw-Betrieb bedeutet, dass die konstant hohe Ausgangsleistung ohne Unterbrechung für den Schnitt zur Verfügung steht. Es wird nahezu die gesamte Energie des Lasers benutzt, um den Werkstoff zu schmelzen. Bei anspruchsvollen, filigranen Konturen, Innenausschnitten oder einer Richtungsumkehr der Schneidanlage kann ein Wärmestau entstehen, der das Material überhitzt und so zu einer schlechteren Schnittqualität führt.
  • Alternativ beim Schneiden filigraner Konturen oder auch beim Lochstechen in dickeres Material wird die Pulsleistung eingesetzt. Der Strahl wird in kurzen Abständen mit einer höheren Frequenz gepulst, die Durchschnittsleistung des Lasers wird so erheblich reduziert und die Schnittgeschwindigkeit wird damit in Folge zum Teil auf bis auf 10% des Normalwertes im cw-Betrieb reduziert.
  • Die Laserstrahlleistung wird in Watt (W) oder Kilowatt (kW) angegeben. Sie beschreibt, wie viel Energie der Laser pro Zeiteinheit abgibt. Die Energie wird in Joule (J) angegeben und ergibt sich bei konstanter Leistung aus der Multiplikation von Leistung und Zeit.

    Formel: Energie = Leistung × Zeit

    Beispiel: Ein Laser mit einer Leistung von 4 kW gibt bei kontinuierlicher Abgabe innerhalb einer Sekunde eine Energie von 4.000 J (4 kJ) ab.

    Für den Energieverbrauch von Laserschneidanlagen wird üblicherweise die Kilowattstunde (kWh) verwendet. Eine Kilowattstunde entspricht 3,6 Megajoule (MJ) beziehungsweise 3.600.000 Joule (J).

  • Die Intensität beschreibt die Laserstrahlleistung bezogen auf die Fläche, auf die er einwirkt.

    Beispiel: Laser mit 10.000 Watt fokussiert auf einen Brennfleck von 0,3 mm Durchmesser, dann beträgt seine Intensität: 
    Intensität = Laserleistung / bestrahlte Fläche => 10000 Watt / 0,07068 mm2 = 141.475 W/mm2

  • Je höher die Intensität des Laserstrahls, desto:
    • schneller die Erhitzung des Schneidmaterials
    • weniger thermische Energie fließt in die Randzonen des Schnittes ein
      • Folge: Eine höhere Schnittgeschwindigkeit, dickeres Material kann geschnitten werden sowie höhere Schnittqualität sind möglich, sofern: Werkstoff, Materialdicke, Fokuslage, Strahlqualität, Prozessgas und Maschinenparameter zusammen wirken.
  • Eine hohe Intensität und damit die maximal schneidbare Materialdicke kann sowohl bei hoher Leistung im cw-Betrieb als auch im Pulsbetrieb erreicht werden.
  • Die optischen Eigenschaften der Linse verändern den Brennfleckdurchmesser und seine Fokustiefe. Eine Linse mit kurzer Brennweite erzeugt einen kleinen Brennfleck mit einer geringen Fokustiefe (=Rayleighlänge, analog zur Schärfentiefe in der Optik).
  • Die Rayleighlänge ist genau die Länge, bei der sich die Intensität maximal um den Faktor 2 ändert *1.
  • Die Fokuslage bezeichnet den Abstand zwischen Mitte der Fokussierlinse und dem Fokuspunkt *1.
    Da die Herstellung der Optik nicht 100% identisch erfolgen kann, muss nach jedem Wechsel der Optik die Fokuslage neu eingemessen werden.
  • Je geringer die Fokustiefe, desto geringer die zu schneidende Blechdicke.
  • Die Schnittgeschwindigkeit hingegen hängt von der Laserleistung ab. Je höher die Leistung, desto schneller kann der Laser trennen. Zum Verständnis: Ein Laser mit einer hohen Leistung besitzt nicht automatisch eine hohe Intensität. Sondern die Schneidlinse mit ihrer Brennweite und der Fokuslage ist ein wesentliches Element, wenn es um die Schnittgeschwindigkeit geht. Je nach Materialdicke, Art und seiner Beschichtung entscheidet die CNC-Laserschneidanlage, wie groß sie den Brennfleck und Rayleighlänge einstellt. Eine große Rayleighlänge eignet sich für größere Materialdicken. Der Fokus kann durch die Linse so eingestellt werden, dass er vor, auf, im oder hinter dem Material liegt - mit jeder Veränderung des Fokuspunktes ergeben sich auch andere Schnittparameter und Schnitteigenschaften. Ein größere Fokustiefe bedeutet aber auch einen größeren Brennfleck und damit eine geringere Intensität und somit geringere Schnittgeschwindigkeit, es sei denn, die geringere Intensität wird durch eine höhere Laserleistung kompensiert.
  • Faser-, Dioden- und Scheibenlaser besitzen eine hervorragende Fokussierbarkeit, auch über größeren Abstand hinweg. Dies macht man sich zu nutzte in der sogenannten „cutting-on-the-fly“-Technik, bei der der Laserstrahl über bewegliche Spiegel besonders schnell auf das Schneidmaterial geleitet wird, die Abstände dabei sind zwar größer, aber im Rahmen der Rayleighlänge des Faserlasers im zulässigen Bereich. Natürlich kann bei dieser Technik nicht mit Gaszusatz geschnitten werden. Daher wird diese Technologie eher für dünneres Material eingesetzt. *1
  • Je kürzer der Abstand zwischen Düse und Material, desto höher der Anspruch an die Nachführelektronik, den Abstand konstant nach zu regeln.
  • Laser im Multimode erreichen Leistungen um 100 kW, sind aber für das Schneiden meistens ungeeignet. Im Singlemode erreichen die Laser deutlich geringere Leistungen, z.B. 20 kW sind aber für das Schneiden geeignet.
  • Stabile Resonatoren liefern im Grundmode TEM00 eine Intensitätsverteilung, die ein gaussförmiges Glockenprofil besitzt, dies entspricht dem Singlemode. In der Gaussverteilung ist ca. 86% der gesamten Laserleistung enthalten *1.

Variable und feste Größen des Laserschneiders

Die Parameter beim Laser sind vielschichtig und komplex. Als Beispiel stellen wir hier einen Auszug wichtiger Parameter vor, die für jede bestimmte Schneidaufgabe neu nachjustiert werden müssen. Weitere Parameter, die hingegen nicht änderbar sind, ergeben sich aus der Bauart des Lasers.

Folgende Variablen muss der Maschinenbediener bzw. die CNC-Steuerung einer Laserschneidanlage berücksichtigen, wenn die höchste Schnittqualität im Zuschnitt erreicht werden soll.

Variable Parameter:

  • Betriebsart: cw-Betrieb (cw=continuous wave) versus Pulsleistung
  • Brennfleck-Durchmesser und Rayleighlänge (=Fokustiefe)
  • Intensität = Laserstrahlleistung W / Brennfleck-Fläche mm2
  • Fokusierlinse bestimmt den Brennfleck und die Fokustiefe
  • Fokuslage
  • Laserstrahlmode TEM00 Mode, Singlemode, Multimode
  • Positionierung des Brennflecks relativ zur Werkstückoberfläche
  • Düsendurchmesser
  • Abstand Düse zum Material und damit der Einfluss auf den effektiven Gasdruck
  • Gasart, Gasreinheit und Gasdruck
  • Schnittgeschwindigkeit
  • Laserleistung
  • Schnittfugenkompensation
  • Polarisationsgrad des CO2-Laserstrahls. Faserlaser hingegen besitzen eine konstante Polarisationsrichtung des Strahls im Bezug auf die Schneidrichtung und liefern damit konstante Schnittqualität unabhängig von der Schneidrichtung ...

Feste Parameter:

  • Wellenlänge des Lasers, ist gegeben durch seine Bauart und damit nicht änderbar
  • Maximale Laserstrahlleistung des Resonators
  • Maschinenleistung, wie beispielsweise die maximale Positioniergeschwindigkeit, maximale Schnittgeschwindigkeit und Beschleunigung
  • Maschinenabmessungen, Nutzraum
  • Funktionalität: Integrierte Rohrbearbeitung, Wechseltische, Beschickungssystem, ...

Wo setzt man das Schneidverfahren ein?

In welchen Bereichen wird Laserschneiden verwendet?

  • Es wird in fast allen Branchen der Industrie und im Handwerk eingesetzt. Zum Beispiel in der Automobilindustrie, im Fahrzeugbau, im Maschinenbau, dem Lohnzuschnitt, der Blech- und Stahlbearbeitung, im Anlagenbau und in der chemischen Industrie, in Stahlhandelshäusern, sowie in Hochschulen, Ausbildungsstätten, Werkstätten usw.

  • Der Laser findet auch in anderen Bereichen Verwendung, wie z.B. im Apparate- und Behälterbau, Metallbau, Schlosserei, Schiffbau, Werkzeug- und Formenbau sowie bei Instandhaltung und Service.

Historie: Wer hat den Laser entwickelt? Wie alt ist das Schneidverfahren?

Die Grundlagen gehen zurück auf eine, die 1916/1917 Albert Einstein in seinen Arbeiten zur Quantentheorie des Lichts veröffentlichte und dort den Prozess der stimulierten Emission beschrieb. Seine Idee bestand darin, dass ein Lichtteilchen (Photon) ein Atom dazu anregen kann, ein weiteres, exakt identisches Photon auszusenden.

Von der Theorie kam es 1960 zur Praxis: Über 40 Jahre nach Einsteins Berechnungen baute Theodore Maiman 1960 den ersten funktionierenden Rubinlaser.

Der Sprung zum Laserschneiden: Kurz nach der Erfindung des ersten Lasers begannen Ingenieure, den gebündelten, energiereichen Lichtstrahl für die präzise Bearbeitung und das Schneiden von Werkstoffen (wie Metallen) einzusetzen. Heute basieren industrielle Fertigungsprozesse wie das Laserschneiden direkt auf diesem von Einstein vorhergesagten Prinzip.

Der Kohlenstoff-Laser wurde 1964 von den Bell Laboratories USA patentiert. Er erlebte seine Hochzeit in Deutschland seit den 1980er Jahren bis ca. um 2010. Rund 30 Jahre dominierte das CO2-Laserverfahren den Markt. Seine Entwicklung endete mit dem 6 kW-Laser in der industriellen Schneidwelt. In anderen Anwendungen und Laboren existierten durchaus auch Laserleistungen bis 80 kW. Doch für das Schneidverfahren musste der Laserstrahl über wartungs- und reparaturanfällige, teure Spiegel, die zum Transport der Laserstrahlung erforderlich sind, gelenkt werden und damit war auch die beherrschbare Leistungsausbeute begrenzt - über diese 6 kW ging man kaum hinaus.

Der Faserlaser zählt zu einer speziellen Gruppe der Festkörperlaser. Laserschneidanlagen mit Festkörperlasern gab es zwar bereits seit den 1980er Jahren, doch waren damals die Laserleistungen noch gering. Zu Beginn lagen die Laserleistungen in der Größenordnung 50 - 100 Watt und spielten daher in weiten Bereichen der Industrie nur eine untergeordnete Rolle. Erst mit der preiswerten Produktion des Faserlasers und einer relevanten Leistung von 1 kW und mehr begann der enorme Aufstieg dieses Schneidverfahrens, dessen Vorteil unter anderem in der einfachen und preiswerten Übertragung des Laserstrahls über eine Glasfaserleitung liegt.

Historie des Lasers: Eine Kurzübersicht

1917 Albert Einstein legt das physikalische Fundament

1960 Maiman, USA: Bewies als erster den Lasereffekt im Rubinlaser

1962 Siemens: Erster kontinuierlich strahlender He-Ne-Laser

1962 Erster Diodenlaser

1965 Herziger, DE: Einsatz des Laser zum Bohren von Diamant

1978 Erste industrielle Schneidanlage

1985 Trumpf: erster 1 kW CO2-Laser mit Hochfrequenzanregung

1987 3D-Systems, USA: Entwicklung generativer Laserverfahren

1988 Erste Pumpen mit Diodenlaser

1991 IPG, USA: Erste kommerzielle Faserlaser im Watt-Bereich (50-100 W)

1999 Trumpf: Erster diodengepumpter Scheibenlaser mit 1kW

2020-2021: IPG, USA: 20-25 kW

ab 2022: Faserlaser für Industrie und 30 kW

Literaturempfehlungen und Quellhinweis

*1 Jens Bliedtner, Hartmut Müller, Andrea Barz: "Lasermaterialbearbeitung", Hanser-Verlag, ISBN:978-3-446-42168-4
Prof. Jens Bliedtner und Dr. Hartmut Müller waren geladene Referenten am Deutschen Schneidkongress® 2018.
Dr. Hartmut Müller, Referatstitel: "Glas schneiden mit dem Laser"

J. Eichler, H. J. Eichler: "Laser Bauformen, Strahlführung, Anwendungen", Springer-Verlag, ISBN: 978-3-540-30149-3

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